Alle guten Gegensätze

Die Spatzen verzwitschern die letzten Januartage und ich überprüfe gerade, ob von meinen guten Gegensätzen noch etwas übrig ist. Im Beitrag Langeweile statt Feed habe ich dir bereits einen guten Gegensatz vorgestellt. Er handelt davon, Langeweile zuzulassen, um aus neuer, eigener Energie heraus tatkräftig zu werden und zu bleiben. Nachfolgend will ich dir meine anderen guten Gegensätze präsentieren und beschreibe, was ich mit ihnen verbinde.

Das Ergebnis von Sein statt Haben ist ähnlich wie das von Langeweile statt Feed. Wenn all meine Facetten zum Ausdruck kommen, muss ich keine Löcher mehr stopfen, keine Leere füllen. Die Krux: Unser Leben bietet mehrheitlich nicht essentielle Konsummöglichkeiten. Bei jedem „ohhh, das will ich haben!“ hat es mir persönlich geholfen, mir meinen materiellen Wunsch anzuerkennen. Nur das. Nachdem ich mich von mir selbst gehört fühle, finde ich schnell heraus, welches Loch ich mit dem Haben stopfen wollte. Oft verbinden wir mit einem Produkt auch den Ausdruck nach Zugehörigkeit, wir wollen uns nach außen hin mit einer bestimmten Gruppe Menschen identifizieren. Neben dem Gefühl von Zugehörigkeit und Status, welche Kaufgründe gibt es bei dir?

Tätigkeit statt Arbeit. Wenn du du sein kannst.

Everybody is working their fucking ass off during the week,
Getting totally fucking stressed out
So what’s wrong, and what’s right?
I live for the weekend … Showtek – FTS

Menschen kaufen teure Autos, um damit auf dem Weg zur Arbeit im Stau zu stehen. Vielleicht sitzt eine von fünf möglichen Personen in diesem Wagen, vielleicht steht dieser Wagen die restlichen 23 Stunden des Tages ungenutzt herum. Und sorgt dafür, dass sein Eigentümer (der womöglich wie die anderen 85% unzufrieden mit seiner Arbeit ist), sich zu mehr davon verpflichtet. Wir sind gut darin, die Gitterstäbe unseres goldenen Käfigs auf Hochglanz zu polieren. Doch was will ich wirklich tun? Und wie komme ich dahin?

Sinn… ohne Stumpf. Gehe einer Tätigkeit nach, die dein Herz erfüllt. Dann musst du nie mehr arbeiten!

Wish we could turn back time to the good old days
When our momma sang us to sleep but now we’re stressed out

Twenty One Pilots – Stressed Out

Innerer Antrieb statt Lähmung.

Reichtum statt Geld. Welches sind wirkliche Reichtümer? Wir sind reich im Hinblick auf die Unmengen an Essen, die im Müll landen. Wir sind reich, weil wir uns über die unpünktliche Bahn beschweren. Wir sind reich, wenn unsere essentiellen Grundbedürfnisse gesichert sind.  Diese sind laut Marshall B. Rosenberg Autonomie, Feiern, Integrität, Interdependenz, Nähren der physischen Existenz,  Spiel und spirituelle Verbundenheit. Ich finde, wir sind vor allem reich, solange wir die Wahl haben!

Wahlfreiheit statt Müssen.

Anerkennung statt Betäubung bedeutet, dir selbst all deine Empfindungen und Befürfnisse anzuerkennen. Sie sind berechtigt und richtig. Alles vermeintlich falsche gehört zu deiner Geschichte. Nachdem du die Verdrängungskiste geöffnet hast, ist es möglich, deine Bedürfnisse zu formulieren.

Initiative statt Applenkung.

Fülle statt Völle. Gestehe dir nun die Erfüllung deiner Bedürfnisse zu 🙂

Schwarz und Weiß. Jeder Weg ist so einzigartig, wie der Mensch, der ihn geht. Was für andere nicht funktioniert, kann heute für dich perfekt sein. Vielleicht auch nächstes Jahr noch, wer weiß das schon, denn das beständigste im Leben ist die Veränderung! Wir dürfen jeden Tag aufs neue prüfen, wer wir sind und wo wir hin wollen, wie wunderbar.

 

 

 

 

 

Alle guten Gegensätze – meine digitale Auszeit

Langeweile statt Feed

Es ist aufgeräumt. Ich habe gerade kein Buch zum Lesen, nichts zu tun. Alle Bildschirme, alle Displays sind ausgeschaltet. Ich ärgere mich, es könnten wichtige Mails im Postfach sein, die ich zeitnah beantworten will. Ich würde auch gerne auf Facebook meinem Bedürfnis nach Geselligkeit frönen und in digitaler Gemeinsamkeit baden. Ich würde gerne auf Youtube dabei zusehen, wie jemand seine goldigen Haustiere für mich bespaßt, bitte mehr davon – etwas noch goldigeres und noch lustigeres (heute noch nicht gelacht…)! Doch Youtube vermag micht nicht satt zu bekommen, obwohl ich mich stundenlang durch alle Vorschläge klicke…

Nun gehe ich offline getrieben in der Wohnung auf und ab, bis ich merke, dass ich getrieben auf und ab gehe. Setze mich hin. Lege die Füße hoch und starre an die Wand, um enttäuscht festzustellen, dass ich keine Raufasertapete habe, deren Knubbel ich zählen könnte. Es ist unbequem. Es ist langweilig! Ich fuchtele an meinem Kapuzenbändel und drehe meine Haare ein, während es ruhiger wird in meinem Kopf. Mein Blick wandert durch die Wohnung und bleibt mal hier, mal dort kleben, obwohl ich eigentlich nichts bewusst anschaue. Meine Innenwelt wird langsam wach, sie streckt und räkelt sich und öffnet noch etwas lichtscheu ihre Augen. Gedankenfäden spinnen, bunte. Rote! Manchmal wird ein Knäuel daraus. Ich kann es weiterverarbeiten oder mit seiner Hilfe den Weg nach Hause finden, sollte ich einen Irrweg gegangen sein.

„Statt ständig die Welt weiter nach unseren Vorstellungen verändern zu wollen, bleibt uns heute nichts anderes übrig, als unsere bisherigen Vorstellungen von uns selbst zu verändern.“ Gerald Hüther – „Würde“

Langweile. Der Zustand, in dem alles brach liegt. In dem wir auf allen Ebenen auftanken. Während dem wir uns selbst staunend zuschauen dürfen, was neues aus uns erwacht.

Und wenn das Symposium deiner Geistesblitze sich als Neuronenfeuerwerk entlädt, ist das Gehirnsilvester. Dein Betriebssystem durchläuft ein Update und löscht alte Programme von der Festplatte. Ich wünsche dir viel Spaß beim Erkunden deiner neuen Funktionen – wenn du nicht weiter weißt, klicke dich durchs Hilfe-Forum!

„Eine Möglichkeit, um die Beschränktheit der eigenen Vorstellungen zu überwinden, bietet das Scheitern … oder die Begegnung mit anderen Menschen.“ Gerald Hüther -„Würde“