Reasons for Hope – Jane at 85

Sonnwend

Am Abend des 21. Juni 2019 veranstaltete das Jane Goodall Institut Deutschland eine große Feier anlässlich Janes 85. Geburtstag. Eigentlich feierten wir sie und ihren Nicht-Geburtstag, denn ihren „runden“ hatte sie bereits am 03. April.

1300 Plätze des Showpalastes waren belegt und Dirk Steffens, Janes Ehrenbotschafter für Deutschland, eröffnete die Veranstaltung und kündigte Jane Goodall an: Es wurde still im Saal und ich war gespannt, wann und wie Jane denn hinter der Bühne hervorkommt. Und dann kam unscheinbaren Schrittes eine kleine, zarte Frau hinter der regenwaldverzierten Wand hervor und begrüßte ihre Gäste auf Schimpansenart!

Erst wenige Wochen zuvor sah ich den Film „Janes Journey“ und las ihre Autobiografie „Grund zur Hoffnung“. Erst vor einem Jahr befasste ich mich mit der Frage, wer Jane Goodall ist und für was sie so bekannt ist. Wie die meisten Menschen auch kannte ich ihren Namen und die dazugehörigen Bilder: Eine Frau und die Schimpansen, mehr nicht. Wahrscheinlich hat sich Jane Goodall genau jetzt in mein Leben geschlichen, genau jetzt, wo ihr Engagement auch für mich so viel an Bedeutung gewonnen hat. Und genau an diesem Zeitpunkt, an dem ich überhaupt offen bin für ihre Inspiration durch ihre naturverbundene, spirituelle Art.

So war ich entsprechend ergriffen, als Jane den Saal betrat – tatsächlich hatte ich die Chance, sie live zu sehen und zu hören – sie kennen zu lernen. Ohne mir anmaßen zu wollen, sie nun wirklich zu kennen, so wie es Freunde und die Familie tun, maße ich mir an zu wissen, wer sie wirklich ist, denn sie ist der Inbegriff von Wahrhaftigkeit und Authentizität.

In fünf Teilen erzählte Jane aus ihrem Leben. Wie alles begann, ihre Leidenschaft fürs Forschen. Als ihre Mutter sie als anderthalbjährige mit einer handvoll Regenwürmern im Kinderzimmer fand. Und anstatt sie angeekelt, wie man sein könnte, zu schimpfen, bestätigte sie Jane in ihrem Tun: „Du wunderst dich wohl, wie diese Tiere ohne Beine laufen können?“. Als vierjährige verschwand sie spurlos, die besorgte Familie rief die Polizei, als am Abend eine strahlende Jane aus dem Hühnerstall hervorkroch. Endlich habe sie gesehen, aus welchem Loch das Ei aus dem Huhn fällt! Ihre Mutter schalt sie nicht, sonst hätte sie Janes Neugier im Keim erstickt. Und Janes Mutter Vanne war es, die ihre Tochter in ihrem Lebenstraum darin bestärkte, als Forscherin nach Afrika zu gehen und Schimpansen zu beobachten. Ihre Mutter war es, die sie für die ersten drei Monate begleitete. Sie war es, die ihr in etwa sagte: „Wenn du das wirklich erreichen willst, musst du hart dafür arbeiten und dann schaffst du es.“

Dirk Steffens stieß mit Jane Goodall an. Sie trinkt gerne Whiskey, er sei außerdem gut für die Stimme. Einen Geburtstagsgruß erhielt Jane per Aufzeichnung auf der Leinwand. Eckhart von Hirschhausen fand großartige Worte über Janes Lebenswerk und forderte uns alle dazu auf: „Niemand würde in sein Wohnzimmer scheißen, doch wir tun es jeden Tag … Wir haben kein zweites, keinen Planeten B!“ Zwischen Janes Vorträgen traten verschiedene Künstler*innen auf. Die grandiosen Gemälde von Gerd Bannuscher1) zeigen Begegnungen – das Band zwischen Menschen und Schimpansen. Der Künstler gibt eines davon zur Aktion frei, deren Erlös Janes Arbeit zur Gute kommt. Jane liebt Musik, vor allem klassische und war begeistert über Yoyo Christens bzw. Beethovens „Apassionata“. Außerdem begleitete er Ausschnitte aus dem Film „Janes Journey“.

Schön war, dass jede*r Künstler*in auf die Bühne eingeladen wurde und erzählen durfte, was Janes Arbeit für sie bedeutet. Außerdem stellte Dirk Steffens ein großartiges Projekt vor. Pacific Garbage Screening, eine Plattform, die große und winzig kleine Plastikteile aus dem Wasser fischt. Das Projekt von Marcella Hansch befindet sich in der Gründungsphase.

„Jedes einzelne Individuum macht einen Unterschied, jeder einzelne hat jeden Tag einen bestimmten Einfluss auf den Planeten. Und wir treffen Entscheidungen, welche Art von Unterschied wir machen werden… Wir wollen nicht, wir werden!“ Jane Goodall

In ihren weiteren Vorträgen berichtete Jane über ihre Zeit in Gombe, über den Regenwald, die Schimpansen, ihre Arbeit als Forscherin. Und wie es dazu kam, dass sie in den 80ern begann zu reisen. 300 Tage im Jahr, niemals länger als drei Wochen an einem Ort. Sie wollte etwas bewegen und das tut sie nach wie vor, sie setzt sich für den Schutz der Schimpansen ein, für den Erhalt der Natur dort und hier und überall, sie begegnet Menschen und berichtet über ihre Arbeit und über die Wichtigkeit, für unseren Planeten zu sorgen. Wir haben die Zukunft nur geliehen, doch wir stehlen sie. Das Treibhaus, das wir durch CO²- und Methanaustoß verursachen, lässt Pole schmelzen und den Meeresspiegel steigen, es macht Menschen heimatlos. Sie ruft dazu auf, dass wir zum Schutz unseres Planeten direkt die Pflanzen verzehren sollten, statt diese den unzähligen, leidenden Tiere zu geben, um deren Fleisch zu essen. Trotz aller Widrigkeiten in unserem heutigen Leben und derer, die sie persönlich erlebt hat, behält sie einen Schatz, den sie mit uns teilen will:

Gründe zur Hoffnung

Der erste Grund zur Hoffnung ist unser großes Gehirn. Wir als intelligente Spezies, die aus der Vergangenheit lernen kann und die im Stande ist, über die Zukunft nachzudenken, kann mit guten Ideen Gutes bewirken.

Der  zweite Grund zur Hoffnung ist die Regenerationsfähigkeit der Natur. In zerstörte Gebiete kehrt wieder Leben zurück, vielleicht anders als zuvor, trotzdem: Die Natur kommt wieder. Jane meint außerdem unsere eigene Fähigkeit, uns zu rehabilitieren.

Der dritte Grund zur Hoffnung sind die Kinder. Kinder, die die Möglichkeit erhalten, ihre Ideen einzubringen und zu verwirklichen. Kinder gestalten nicht nur die Zukunft, sie sind die Zukunft – in diesem Moment schon – jeden Tag. Jane gründete vor 20 Jahren die Roots&Shoots-Gruppen. Diese bestehen aus Kindern und Jugendlichen, die mithilfe von ein paar Erwachsenen in aller Welt in unterschiedlichen Formen tätig werden: Für die Menschen, für die Natur und für die Tiere. Die Gruppen vernetzen sich global und stehen im Austausch miteinander, manche davon bestehen seit mehreren Jahren. Jeder kann sofort per Onlineformular eine Roots&Shoots-Gruppe gründen. Jane Goodall selbst hat großes Interesse daran, ihre Gruppen und deren Projekte kennen zu lernen.

Eine Münchner Roots&Shoots-Gruppe war Gast auf der Veranstatlungsbühne. Die Würmranger gratulierten Jane zu ihrem Geburtstag und berichteten über ihre Arbeit: Die Würm, ein Bach, der dem Starnberger See entspringt und bei Dachau in die Amper mündet, wurde im 19. Jh. zum Leidwesen der Artenvielfalt begradigt. Die Würmranger, die damals als Schul-AG begannen, renaturierten die Würm an eingen Stellen im Münchner Westen. Die Kinder haben den Bach vor der Haustür und gewinnen den Bezug zur Umwelt und Natur am und im Wasser. Verschiedene Projekte, wie z.B. der lehrreiche Audio-Guide entlang der Würm, eine Geo-Caching Tour oder blühende Insektenwiesen bilden einem Mehrwert für alle Menschen in der Umgebung. Die Kinder erfahren durch unterstützdende Wissenschaftler viel über die Tier- und Pflanzenwelt in ihrer Heimat und wie sie geschützt werden kann.

Inspiration und Mut

Jane überzeugt mich davon, niemals die Hoffnung zu verlieren. Apathie macht depressiv und handlungsunfähig. Mit Hoffnung und Empathie erreichen wir, dass Menschen tätig werden können. Es gibt immer ein „Fenster“ der Möglichkeiten. Ihre geschriebenen Worte aus ihrer Biografie und das, was sie an diesem Abend wertvolles sagt, kann ich tief in mein Herz einschließen und für immer bei mir tragen.

22.06.2019

Jane besucht mit „Mister H“, dem Plüschaffen, die Würmranger vor Ort – an der renaturierten Würm in München-Obermenzing. Es beeindruckt mich, dass sie sich wirklich durch und durch für das interessiert, was sie einst aus dem Boden stampfte. Sie will uns Würmranger kennen lernen!

Wir präsentierten ihr stolz die Würm, die sich hier ausbreitet und Pflanzen und Tieren einen Lebensraum bietet. Wir erzählten ihr von dem Biber, der hier lebt und im Auwaldrest seine Äste aufgetürmt hat. Von den Kindern, die die Würm und ihre Ufer vom Müll befreien. Von den Neophyten, die die heimische Fauna unterdrücken und die wir in Schach halten. Sie hörte sich einen Beitrag des Audio-Guides an, den die Kinder aufgenommen haben – es geht um die Ameisenhaufen an der Würm, und Jane stellt sich gleich für ein paar Fotos an den wuselnden Ort des Geschehens, um bald die Ameisen lachend wieder abzuschütteln. Abschließend erhielten die stolzen Kinder Autogramme auf ihre Würmranger-T-Shirts. Ursula, die Gründerin der Gruppe, sprach ein Gebet an die Natur. Mit einem „Blubb“ verschwand ein Stück Schokolade in der Würm, sie dankte Mutter Erde, den Kindern, Janes Inspiration und bat um Segen für die Würmranger und alles, was kommt. Jane bedankte sich bei uns für unsere Arbeit und verabschiedete sich.

Mein Grund zur Hoffnung

Ich sehe, dass Janes Mutter, so wie sie war, ein großer Segen und eine große Kraft in Janes Leben war. Ich weiß um die Bürde und die große Chance, meinen Kindern ebenfalls so ein guter Wegweiser zu sein. Meine Kinder selbst, sie sind mein Grund, weiterzumachen mit dem, wofür auch mein Herz schlägt: Für den Natur- und Tierschutz, für ein friedvolles Miteinander mit allen Lebewesen auf diesem Planeten, der unser Zuhause ist.

 

1) Das Beitragsbild, die Postkarte des Jane Goodall Instituts, zeigt eines seiner Gemälde

 

 

Bilderbuchbauernhof

Dieses wunderschöne Bauernhaus! Die Holzelemente, die bunten, kunstvollen Verzierungen, der üppig blühende Selbstversorgergarten drum herum – eine Mischung aus rustikal und idyllisch. Der Duft von Heu und Stroh, ein Nuance Gülle und Silage. Aus der Ferne ein Muh.

Dieser Bauernhof kann nichts dafür, dass mir der postkartenmotivmäßige Stil so, so negativ aufstößt. Sämtliche Kinderbilderbücher, Gesellschaftsspiele, Puzzle und Medien bringen unseren Kleinen dieses Ideal näher. Lange, bevor wir ihnen bewusst zeigen wollen, wo unsere Lebensmittel herkommen, sabbern Babys Bauernhofbüchlein voll. Die Bücherläden sind voll davon. Kälbchen tollen auf der Wiese, der Hahn kräht stolz auf dem Misthaufen. Letzteres entspricht noch am ehesten der Wahrheit, doch dieser Hahn erfüllt gewiss nur den Zweck, den Schein des paradiesischen Landlebens für den Touristen aufrecht zu erhalten. Nie zu sehen ist die harte Arbeit, die Bauernfamilien wirklich hatten, bevor Schweinehochhäuser und Massenmastanlagen alltäglich wurden.

Der heutige Bauernhof hat mit unserer Vorstellung nichts zu tun. Niemand würde es wagen, ein modernes Bauernhofbilderbuch zu illustrieren!

Damals, da entsprach die Farmlandschaft noch eher der liebreizend lebendigen Fantasiewelt. Vor den Kulissen. Wenn wir unserern Kindern die Welt erklären, beschönigen wir sie. Lassen wir die ungemütlichen, aufwühlenden Teile der Nutztierhaltung beiseite, um uns unsere eigene Sicht zu verklären? Es ist unerträglich, dass Milchkühe geschlachtet werden müssen, weil ihnen aufgrund der Dürre 2018 leider nicht genug Gras gewachsen ist! Und weil die Futterbeschaffung von anderswo den Bauern ins Minus treibt – warum? Warum bleibt der Milchpreis so niedrig, obwohl die Ware knapp ist?

„Leider haben wir starke Lieferschwierigkeiten bei … Produkten wie Butter … Einige [Bauern] schlachten schon ihre Kühe, weil das Futter nicht über den Winter reichen wird … Wir bitten um Verständis!“ Quelle: www.molkerei-schrozberg.de/presse/lieferengpass-bei-butter

Milchtrinken ist vor allem aus diesem aktuellen Grund untrennbar mit dem Tod verbunden. Das alljährliche Leid der Kälber, Fohlen und Zicklein und ihrer Mütter, die voneinander getrennt werden, ist schon viel zu normal. Das haben wir ja schon immer so gemacht. Dass eine Kuh tagelang nach ihrem Kind ruft, nachdem es ihr weggenommen wurde, um im fernen Ausland als zartes Gulasch zu enden. Das machen wir immer noch gerne so.

Solange es Schlachthöfe gibt, wird es Schlachtfelder geben.

Leo Tolstoi

Nachdem Bioeier von Zweinutzungshühnern die derzeit tierfreundlichste Alternative aus dem Super(bio)markt sind, frage ich mich trotzdem: Ist es notwendig, also wendet es eine Not ab, wenn ich für meine Küche Eier verwende? Es fallen nicht mehr täglich Eier aus dem Huhn, welches älter als ein Jahr ist. Diese Hühner müssen alle weg, die rechnen sich nicht. Suppenhuhn. Das haben wir immer schon so gemacht. Hühner werden locker sechs Jahre alt, Kühe zwanzig, doch auch sie erleben nur ihr erstes Fünftel. Ist es gut, dass sie ihren alljährlichen Schmerz nur diese paar Male ertragen müssen? Macht es das besser, dass sie damit nicht alleine sind? Haben sie es gut, wenn sie ein bisschen auf die Weide dürfen? Auch wenn sie die restlichen sieben Monate des Jahres im Stall absitzen?

Es ist diese Not, die abgewendet werden muss. Während wir im Überfluss schwimmen, können wir unsere Würde bewahren, in dem wir friedliche Alternativen finden. Es ist genug für alle da.

Fuck Tradition!

Wirtschaftliche Güter

Die Grenzen zwischen wahrer Tierliebe und dem Tier als Ware verschmelzen auf verschiedenen Ebenen. Dies ist ein Appell, unsere tierischen Mitbewohner aus dem Tierheim zu adoptieren statt sie – egal wo – zu kaufen.

Ware

  • etwas, was gehandelt, verkauft oder getauscht wird; Handelsgut
  • Erzeugnis [von einer bestimmten Beschaffenheit, mit bestimmten Eigenschaften]                                                                                            www.duden.de                     

Die Wurstware Tier ist eine bestimmte Summe wert. Damit sich die für Transportunternehmen, Schlachthäuser und Metzgertheken tätigen Menschen ihre Brötchen kaufen können. Ein Mensch, der eine Tierart vermehrt, steckt neben Geld auch andere Dinge in die weiblichen Tiere, um den perfekten Nachwuchs zu generieren. Mit falscher Liebe lässt sich gutes Geld verdienen, das ist auch in anderen Branchen kein Geheimnis.

Das gewinnerzielende Vermehren von Tieren degradiert diese zur Ware. Und immer wieder finden fellige, schuppige, glatte, nackte oder borstige Wesen mit Kulleraugen über den menschlichen Geldbeutel den Weg in deren Zuhause. Als Fleischbällchen in den Mund gestopft stillen sie Hunger, als Flauschbällchen auf dem Schoß Löcher in unseren Herzen. Als Kind reichte uns noch ein Kuscheltier als Ersatz für Geborgenheit durch unsere Bezugspersonen. Schon bald wird der Wunsch nach mehr Echtheit groß. Verwechseln wir die Sehnsucht nach echten Gefühlen mit der Echtheit des Tieres, das wir lieb haben?

So wie auf Farbe, Form und Funktion gezüchtete Tiere müssen Menschen, die etwas von sich verkaufen wollen, ebenfalls gewisse Normen erfüllen. Wir polieren unser Äußeres auf Hochglanz und feilen an unserem Können um unseren Marktwert zu steigern. Unsere eigentlichen Werte verkaufen wir leider mit… Wenn ich das wortwörtlich verstehe, sind wir erst dann wertlos!

Jedoch wurden wir im Gegensatz zu den Tieren hoffentlich nicht aus finanziellen Gründen geboren und wir sind auch ohne Leistung und Perfektion wertvoll – das hören wir gerne – doch wer glaubt es wirklich von sich? Erst, wenn wir den Tieren ihren Wert zugestehen, den sie durch ihre bloße Existenz innehaben, wohl erst dann können wir aufhören, sie wie Dinge zu be-handeln.