Bilderbuchbauernhof

Dieses wunderschöne Bauernhaus! Die Holzelemente, die bunten, kunstvollen Verzierungen, der üppig blühende Selbstversorgergarten drum herum – eine Mischung aus rustikal und idyllisch. Der Duft von Heu und Stroh, ein Nuance Gülle und Silage. Aus der Ferne ein Muh.

Dieser Bauernhof kann nichts dafür, dass mir der postkartenmotivmäßige Stil so, so negativ aufstößt. Sämtliche Kinderbilderbücher, Gesellschaftsspiele, Puzzle und Medien bringen unseren Kleinen dieses Ideal näher. Lange, bevor wir ihnen bewusst zeigen wollen, wo unsere Lebensmittel herkommen, sabbern Babys Bauernhofbüchlein voll. Die Bücherläden sind voll davon. Kälbchen tollen auf der Wiese, der Hahn kräht stolz auf dem Misthaufen. Letzteres entspricht noch am ehesten der Wahrheit, doch dieser Hahn erfüllt gewiss nur den Zweck, den Schein des paradiesischen Landlebens für den Touristen aufrecht zu erhalten. Nie zu sehen ist die harte Arbeit, die Bauernfamilien wirklich hatten, bevor Schweinehochhäuser und Massenmastanlagen alltäglich wurden.

Der heutige Bauernhof hat mit unserer Vorstellung nichts zu tun. Niemand würde es wagen, ein modernes Bauernhofbilderbuch zu illustrieren!

Damals, da entsprach die Farmlandschaft noch eher der liebreizend lebendigen Fantasiewelt. Vor den Kulissen. Wenn wir unserern Kindern die Welt erklären, beschönigen wir sie. Lassen wir die ungemütlichen, aufwühlenden Teile der Nutztierhaltung beiseite, um uns unsere eigene Sicht zu verklären? Es ist unerträglich, dass Milchkühe geschlachtet werden müssen, weil ihnen aufgrund der Dürre 2018 leider nicht genug Gras gewachsen ist! Und weil die Futterbeschaffung von anderswo den Bauern ins Minus treibt – warum? Warum bleibt der Milchpreis so niedrig, obwohl die Ware knapp ist?

„Leider haben wir starke Lieferschwierigkeiten bei … Produkten wie Butter … Einige [Bauern] schlachten schon ihre Kühe, weil das Futter nicht über den Winter reichen wird … Wir bitten um Verständis!“ Quelle: www.molkerei-schrozberg.de/presse/lieferengpass-bei-butter

Milchtrinken ist vor allem aus diesem aktuellen Grund untrennbar mit dem Tod verbunden. Das alljährliche Leid der Kälber, Fohlen und Zicklein und ihrer Mütter, die voneinander getrennt werden, ist schon viel zu normal. Das haben wir ja schon immer so gemacht. Dass eine Kuh tagelang nach ihrem Kind ruft, nachdem es ihr weggenommen wurde, um im fernen Ausland als zartes Gulasch zu enden. Das machen wir immer noch gerne so.

Solange es Schlachthöfe gibt, wird es Schlachtfelder geben.

Leo Tolstoi

Nachdem Bioeier von Zweinutzungshühnern die derzeit tierfreundlichste Alternative aus dem Super(bio)markt sind, frage ich mich trotzdem: Ist es notwendig, also wendet es eine Not ab, wenn ich für meine Küche Eier verwende? Es fallen nicht mehr täglich Eier aus dem Huhn, welches älter als ein Jahr ist. Diese Hühner müssen alle weg, die rechnen sich nicht. Suppenhuhn. Das haben wir immer schon so gemacht. Hühner werden locker sechs Jahre alt, Kühe zwanzig, doch auch sie erleben nur ihr erstes Fünftel. Ist es gut, dass sie ihren alljährlichen Schmerz nur diese paar Male ertragen müssen? Macht es das besser, dass sie damit nicht alleine sind? Haben sie es gut, wenn sie ein bisschen auf die Weide dürfen? Auch wenn sie die restlichen sieben Monate des Jahres im Stall absitzen?

Es ist diese Not, die abgewendet werden muss. Während wir im Überfluss schwimmen, können wir unsere Würde bewahren, in dem wir friedliche Alternativen finden. Es ist genug für alle da.

Fuck Tradition!

Garantiert

Schokolade + Banane = Love Forever

Welcher Süßschnabel steht nicht auf diese geniale Geschmackskombination? Wir dekorieren unser Leben gerne mit etwas Puderzucker und beamen uns, mit einem Chai-Latte in der Hand, in den Vanillehimmel. Wie der Morgenkaffee reisen diese Lebensmittel genauso weit, wie sie selbstverständlich tagtäglich in unseren Mägen landen.

Ich versuche mir vorzustellen, wie ein Mensch im Ursprungsland Staude für Staude und Bohne für Bohne mit der Hand pflückt, die Ernte dann im Bauch eines unglaublich großen Schiffes unglaublich weit transportiert wird, hierzulande von LKW zu LKW umgeladen wird, um dann endlich in unserem Einkaufskorb zu landen. Den wir womöglich auch nur mit Ressourceneinsatz nach Hause befördern können.

Ein Schokobrunnen ist für mich der Inbegriff von Wohlstand!

Bananen setzen in Supermärkten Leitpreise fest wie Äpfel und Kartoffeln. Leitpreise sind uns Kunden geläufige Preise, an denen wir die günstigste Einkaufsstätte festmachen. Kakaoprodukte nehmen wir in allen Formen zu uns. Als Pulver, als Aufstrich, als Frühstückscerealien, als Süßigkeit… Ich erschrecke vor meiner eigenen Gewohnheit, mit der ich regelmäßig tropische Speisen genieße. Zu meinen Lieblingsgewürzen zählen Vanille und Zimt, aufgrund deren Fehlen mir mein Muffinteig aus regionalen Zutaten sehr unfertig vorkam. Vielleicht gibt ihm Zitronenabrieb das gewisse Etwas? Ähm ja… wenn ich zufällig einen Wintergarten hätte, in dem zufällig ein Zitronenbaum stünde. Bei dem Gedanken daran, mich nur regional zu ernähren, überfliegt mich eine leichte Panik. Ich würde mich geißeln, wie wäre es bei dir? Nun übe ich mich erstmal in Wertschätzung und Dankbarkeit. Nichts ist selbstverständlich.

Alles, was wir haben wollen, kommt uns zugeflogen. Welche Sklaven lassen wir für uns arbeiten?

Bananen

Wir verzehren hauptsächlich nur eine von über tausend bunten Bananensorten, und zwar die gelbe „Cavendish“. Durch den Anbau in Monokultur, gerne mit gesundheitsschädlichen Chemikalien, ist sie von der Ausbreitung mehrerer Pilzarten bedroht. Gentechnik soll die Stauden resistent machen. Im Bioanbau reifen Bananen in kreislauferhaltender Mischkultur heran. Fair gehandelte Früchte schließen Kinderarbeit aus.

Kaffee

Auch Kaffeebohnen werden würdigerweise ausschließlich von Erwachsenen gepflückt. Die sorgfältige Ernte der reifen Kirschen per Hand erspart den Böden die Verdichtung durch Erntemaschinen, die zudem die Sträucher beschädigen. Mischkultur sorgt für humusreiche Böden und mehr Artenvielfalt. Im „Direct Trade“ gehandelt bleiben Lieferketten nachvollziehbar. Mittlerweile arbeiten viele deutsche Röstereien direkt mit den Kaffeebauern zusammen und verarbeiten die Bohnen schonend, so dass der Kaffee mehr als magenverträglich wird.

Kakao

Für die Produktion von einem Kilogramm Rohkakao werden durchschnittlich Siebenundzwanzigtausend Liter virtuelles Wasser verbraucht. Auch hier senkt die Mischkultur, wie sie im Bioanbau praktiziert wird, den Verbrauch von Ressourcen. Die Kakaobäume stehen hier in einem intakteren Ökosystem und in schattenspendender, vor Wind schützender Nachbarschaft.

Don’t take it for granted

Wie wohl die Supermarktregale aussehen würden, wenn es nur noch Regionales zu kaufen gäbe? Wie würden sich unsere Kochrezepte verändern? Es ist für mich keine Lösung, gänzlich auf überregionale Speisen zu verzichten. Wenn ich ethisch würdevoll und umweltverträglich leben will, soll mich der nächste Coffee to Stay noch einmal mehr dazu einladen mich glücklich zu schätzen. Wir leben in einer Welt, in der nachhaltiges Handeln grundsätzlich möglich ist. Solange ich es mir zum Grundsatz mache.

Für regionale Inspirationen aller Art folge mir auf Facebook und Instagram!

 

 

Wirtschaftliche Güter

Die Grenzen zwischen wahrer Tierliebe und dem Tier als Ware verschmelzen auf verschiedenen Ebenen. Dies ist ein Appell, unsere tierischen Mitbewohner aus dem Tierheim zu adoptieren statt sie – egal wo – zu kaufen.

Ware

  • etwas, was gehandelt, verkauft oder getauscht wird; Handelsgut
  • Erzeugnis [von einer bestimmten Beschaffenheit, mit bestimmten Eigenschaften]                                                                                            www.duden.de                     

Die Wurstware Tier ist eine bestimmte Summe wert. Damit sich die für Transportunternehmen, Schlachthäuser und Metzgertheken tätigen Menschen ihre Brötchen kaufen können. Ein Mensch, der eine Tierart vermehrt, steckt neben Geld auch andere Dinge in die weiblichen Tiere, um den perfekten Nachwuchs zu generieren. Mit falscher Liebe lässt sich gutes Geld verdienen, das ist auch in anderen Branchen kein Geheimnis.

Das gewinnerzielende Vermehren von Tieren degradiert diese zur Ware. Und immer wieder finden fellige, schuppige, glatte, nackte oder borstige Wesen mit Kulleraugen über den menschlichen Geldbeutel den Weg in deren Zuhause. Als Fleischbällchen in den Mund gestopft stillen sie Hunger, als Flauschbällchen auf dem Schoß Löcher in unseren Herzen. Als Kind reichte uns noch ein Kuscheltier als Ersatz für Geborgenheit durch unsere Bezugspersonen. Schon bald wird der Wunsch nach mehr Echtheit groß. Verwechseln wir die Sehnsucht nach echten Gefühlen mit der Echtheit des Tieres, das wir lieb haben?

So wie auf Farbe, Form und Funktion gezüchtete Tiere müssen Menschen, die etwas von sich verkaufen wollen, ebenfalls gewisse Normen erfüllen. Wir polieren unser Äußeres auf Hochglanz und feilen an unserem Können um unseren Marktwert zu steigern. Unsere eigentlichen Werte verkaufen wir leider mit… Wenn ich das wortwörtlich verstehe, sind wir erst dann wertlos!

Jedoch wurden wir im Gegensatz zu den Tieren hoffentlich nicht aus finanziellen Gründen geboren und wir sind auch ohne Leistung und Perfektion wertvoll – das hören wir gerne – doch wer glaubt es wirklich von sich? Erst, wenn wir den Tieren ihren Wert zugestehen, den sie durch ihre bloße Existenz innehaben, wohl erst dann können wir aufhören, sie wie Dinge zu be-handeln.

 

 

Wir haben euch doch lieb!

Die Ratte Rémy wird nach kulinarischen Experimenten per Kammerjäger der Küche verwiesen. Minnie und Mickey sitzen in der Mausefalle – mit Tilda Apfelkern und weiteren Apfelmäuschen. Sepp Arnemanns Maus hat sich wieder gut versteckt. Haben Sie sie schon gefunden? Und was machst du jetzt mit ihr?

Menschen lieben Mäuse auf Bildern und Bildschirmen. Menschen lieben Tiere so sehr, dass sie unzählige Geschichten, Serien und Filme leidenschaftlich gerne ihnen widmen. Die Sehnsucht, sich eigens um ein Tier zu kümmern, es zu pflegen und ihm ein gutes Leben zu bereiten zeigt sich in den vielen Haustierarten. Sind all das Entschuldigungen dafür, dass hinter verschlossenen Türen und vor verschlossenen Augen so viel Leid geschieht?

Lediglich solche Menschen, die durch ihre Arbeit mit unwürdigen Tierhaltungsbedingungen in Berührung kommen, haben tagtäglich diese grausamen Bilder in Reality vor sich. In welchem Menschenhaltungssystem leben wir, das solche Arbeiten notwendig zu machen scheint?

robota (tschechisch) – Fronarbeit

arebeit (mittelhochdeutsch) – Mühsal, Plage, Not

Dagobert süß-sauer. Piggeldy und Frikadelle. Peppa Leberwurst, Shaun das Schaffell. Einzelschicksale haben Namen. Sie berühren uns, weil wir für sie Empathie empfinden können. Da wo sich das Mitgefühl multiplizieren müsste, haut es dem dafür eingerichteten Hirnareal in Anbetracht der Masse an leidenden Lebewesen den Schalter raus. Ist das Wegschauen und aktiv aus dem Sichtfeld verbannen der Tatsachen ein Schutzmechanismus? Wenn eine Kuh aus dem Stall abhaut, hat sie sich erst nach Verlassen des Hofgrundstücks einen Namen, unser Mitgefühl und unsere Spenden verdient. Bei der Moorhuhnjagd waren wir ehrlicher.

Jeden Augenblick geht es um unser Miteinander mit anderen Menschen und Tieren, ja auch die sind unsere schützenswerte Umwelt. Biene Maja und ihre Freunde leiden Hunger, denn Nahrung für Insekten gibt es nur in einem unbekannten Land. Nemo bleibt verschollen, weil keiner mehr da ist, der ihn suchen kann. Es geht um unseren eigenen Lebensraum, den wir mit dem tonnenweisen Ausstoß an Doppelmoral gefährden.

Ich wünsche dir eine besinnliche und friedliche WeihnachtsZeit.

 

 

 

Ferngesteuert

Über übermächtige Alltagsdrogen

Noch viel spannender als die gesundheitlichen Auswirkungen von Alltagsdrogen sehe ich die Wirkung auf unseren Geist, ja sogar auf unser Miteinander. Warum? Ich freue mich drauf, jetzt weit auszuholen:

Im Selbstversuch nahm ich ungefähr vier Monate keinen Zucker zu mir. Zero. Keinen Agavendicksaft, keinen Honig, keine Malzextrakte, keine Süßstoffe oder Austauscher, also keinerlei süße Isolate, nix.

Zu Beginn fühlte ich mich unwohl: Ich hatte Angst davor, aggressiv und unerträglich zu sein. Kein Kuchen! Keine Schokolade! Mit Nüssen und Obst hielt ich mich bei Unterzucker über Wasser. Nach wenigen Wochen hatte ich meinen Körper entwöhnt, der Blutzuckerspiegel kam wieder klar. Mein Gehirn hinkte manchmal hinterher. Wenn der Hunger auf Kuchen oder Süßkram besonders stark wurde, lernte ich zu verstehen: „Aha, ich bin eigentlich nur müde! Ich will aber nicht schlafen! Ich habe noch so viel zu tun!“ Und so kam ich mit mir selber ins Gespräch und machte Mittagsschlaf, wenn es nötig war. Oder knallte mir terminlich einzelne Tage weniger zu. Ich wurde langsamer! Meinen Kuchengelüsten lag Stress zu Grunde oder einfach nur das viele Denken. Ich stellte so oft fest, dass ich mit Zucker bislang kompensierte und kompensierte.

Ich bin mir sicher, in einer Welt ohne Zucker würde eine Siesta zum gängigen Tagesablauf dazu gehören. Unsere Welt soll sich immer schneller drehen. Damit wir mitlaufen können, begießen wir immer mehr unersättliche Adenosinrezeptoren mit Koffein, beschönigen, beschleunigen, verdrängen, verändern uns mit Alkohol, beruhigen und erheitern uns mit Rauchen. Dabei wäre das Ein- und Ausatmen ohne den Qualm gesünder und hätte keinen Sucht- sondern den Wohlfühleffekt in Reinform – eine Einladung oder besser gesagt Ausladung an alle Nichtraucher genauso rauszugehen wie die Raucher!

Zum Thema Rauchen sei erwähnt, dass es kaum fairen geschweige denn ökologisch angebauten Tabak gibt. Mit dem mentalen und physischen Gesundheitsaspekt spielt hier die Umweltverschmutzung durch Qualm und weggeworfene Stummel ebenso eine Rolle. Beim Alkohol können wir immerhin auf regionale Bioware zurückgreifen und die Dosis auf ein verträgliches Maß anpassen.

Was mittlerweile bezüglich der Alltagsdrogen auf der Hand liegt, vor allem den allgegenwärtigen Zucker betreffend, ist erschreckend. Konsumieren geht Hand in Hand mit kompensieren und funktionieren.

Zucker, Kaffee, Kakao und Tabak reisen nicht nur mit großem CO²-Fußabdruck in unser hausgemachtes Hamsterrad: Die Zuckerwirtschaft ist kaputtsubventioniert, konventionelle Kakao- und Kaffeebohnen werden von Kindern gepflückt und lächerlich „bezahlt“. Die gängigen Siegel sind leere Versprechen, an die wir Süchtigen glauben wie einst an den Weihnachtsmann. Ich unterstelle den Süßkramkonzernen das Schlechte, weil sie nicht das Gegenteil beweisen können – nein – ständig werden skandalöse Zustände aufgedeckt, die jährlich von Schokonikolaus- und Osterhasenarmeen niedergetrampelt werden.

Ein Qualitätssiegelstudium dauert sicher kein ganzes Semester und bewahrt Menschen vor Ausbeutung und basht habgierige Lohndrücker. Ein Geheimnis verrate ich vorab: Ein Fair Trade-Siegel steht nicht unbedingt dafür, dass das Produkt zu 100% menschenwürdig gehandelte Bestandteile enthält.

Und ja, nach den vier Monaten wurde es mir zu mühselig, auf den Zucker zu verzichten, denn süße Isolate sind so überall wie die Mücken abends am See. In arbeitsreichen Phasen hielt ich wieder meine Kaffeetasse – oder sie mich – und das Koffein hob mich auf geistige Höhen. Wenn ich müde bin, bin ich ohne Kaffee verdammt langsam und das kann wiederum für alle Beteiligten verdammt anstrengend sein. Nun kenne ich beide Extreme und pendele mich in meiner Mitte ein, die ich für mich und andere verantworten kann und will: Ich bin lieber langsamer!

Warum könntest du nie auf Kaffee oder Zucker verzichten? Wer bist du ohne Alltagsdrogen? Was passiert, wenn sich niemand mehr sozial- und arbeitgeberkompatibel dopt?