Alle guten Gegensätze – meine digitale Auszeit

Langeweile statt Feed

Es ist aufgeräumt. Ich habe gerade kein Buch zum Lesen, nichts zu tun. Alle Bildschirme, alle Displays sind ausgeschaltet. Ich ärgere mich, es könnten wichtige Mails im Postfach sein, die ich zeitnah beantworten will. Ich würde auch gerne auf Facebook meinem Bedürfnis nach Geselligkeit frönen und in digitaler Gemeinsamkeit baden. Ich würde gerne auf Youtube dabei zusehen, wie jemand seine goldigen Haustiere für mich bespaßt, bitte mehr davon – etwas noch goldigeres und noch lustigeres (heute noch nicht gelacht…)! Doch Youtube vermag micht nicht satt zu bekommen, obwohl ich mich stundenlang durch alle Vorschläge klicke…

Nun gehe ich offline getrieben in der Wohnung auf und ab, bis ich merke, dass ich getrieben auf und ab gehe. Setze mich hin. Lege die Füße hoch und starre an die Wand, um enttäuscht festzustellen, dass ich keine Raufasertapete habe, deren Knubbel ich zählen könnte. Es ist unbequem. Es ist langweilig! Ich fuchtele an meinem Kapuzenbändel und drehe meine Haare ein, während es ruhiger wird in meinem Kopf. Mein Blick wandert durch die Wohnung und bleibt mal hier, mal dort kleben, obwohl ich eigentlich nichts bewusst anschaue. Meine Innenwelt wird langsam wach, sie streckt und räkelt sich und öffnet noch etwas lichtscheu ihre Augen. Gedankenfäden spinnen, bunte. Rote! Manchmal wird ein Knäuel daraus. Ich kann es weiterverarbeiten oder mit seiner Hilfe den Weg nach Hause finden, sollte ich einen Irrweg gegangen sein.

„Statt ständig die Welt weiter nach unseren Vorstellungen verändern zu wollen, bleibt uns heute nichts anderes übrig, als unsere bisherigen Vorstellungen von uns selbst zu verändern.“ Gerald Hüther – „Würde“

Langweile. Der Zustand, in dem alles brach liegt. In dem wir auf allen Ebenen auftanken. Während dem wir uns selbst staunend zuschauen dürfen, was neues aus uns erwacht.

Und wenn das Symposium deiner Geistesblitze sich als Neuronenfeuerwerk entlädt, ist das Gehirnsilvester. Dein Betriebssystem durchläuft ein Update und löscht alte Programme von der Festplatte. Ich wünsche dir viel Spaß beim Erkunden deiner neuen Funktionen – wenn du nicht weiter weißt, klicke dich durchs Hilfe-Forum!

„Eine Möglichkeit, um die Beschränktheit der eigenen Vorstellungen zu überwinden, bietet das Scheitern … oder die Begegnung mit anderen Menschen.“ Gerald Hüther -„Würde“

 

 

Wirtschaftliche Güter

Die Grenzen zwischen wahrer Tierliebe und dem Tier als Ware verschmelzen auf verschiedenen Ebenen. Dies ist ein Appell, unsere tierischen Mitbewohner aus dem Tierheim zu adoptieren statt sie – egal wo – zu kaufen.

Ware

  • etwas, was gehandelt, verkauft oder getauscht wird; Handelsgut
  • Erzeugnis [von einer bestimmten Beschaffenheit, mit bestimmten Eigenschaften]                                                                                            www.duden.de                     

Die Wurstware Tier ist eine bestimmte Summe wert. Damit sich die für Transportunternehmen, Schlachthäuser und Metzgertheken tätigen Menschen ihre Brötchen kaufen können. Ein Mensch, der eine Tierart vermehrt, steckt neben Geld auch andere Dinge in die weiblichen Tiere, um den perfekten Nachwuchs zu generieren. Mit falscher Liebe lässt sich gutes Geld verdienen, das ist auch in anderen Branchen kein Geheimnis.

Das gewinnerzielende Vermehren von Tieren degradiert diese zur Ware. Und immer wieder finden fellige, schuppige, glatte, nackte oder borstige Wesen mit Kulleraugen über den menschlichen Geldbeutel den Weg in deren Zuhause. Als Fleischbällchen in den Mund gestopft stillen sie Hunger, als Flauschbällchen auf dem Schoß Löcher in unseren Herzen. Als Kind reichte uns noch ein Kuscheltier als Ersatz für Geborgenheit durch unsere Bezugspersonen. Schon bald wird der Wunsch nach mehr Echtheit groß. Verwechseln wir die Sehnsucht nach echten Gefühlen mit der Echtheit des Tieres, das wir lieb haben?

So wie auf Farbe, Form und Funktion gezüchtete Tiere müssen Menschen, die etwas von sich verkaufen wollen, ebenfalls gewisse Normen erfüllen. Wir polieren unser Äußeres auf Hochglanz und feilen an unserem Können um unseren Marktwert zu steigern. Unsere eigentlichen Werte verkaufen wir leider mit… Wenn ich das wortwörtlich verstehe, sind wir erst dann wertlos!

Jedoch wurden wir im Gegensatz zu den Tieren hoffentlich nicht aus finanziellen Gründen geboren und wir sind auch ohne Leistung und Perfektion wertvoll – das hören wir gerne – doch wer glaubt es wirklich von sich? Erst, wenn wir den Tieren ihren Wert zugestehen, den sie durch ihre bloße Existenz innehaben, wohl erst dann können wir aufhören, sie wie Dinge zu be-handeln.

 

 

Wir haben euch doch lieb!

Die Ratte Rémy wird nach kulinarischen Experimenten per Kammerjäger der Küche verwiesen. Minnie und Mickey sitzen in der Mausefalle – mit Tilda Apfelkern und weiteren Apfelmäuschen. Sepp Arnemanns Maus hat sich wieder gut versteckt. Haben Sie sie schon gefunden? Und was machst du jetzt mit ihr?

Menschen lieben Mäuse auf Bildern und Bildschirmen. Menschen lieben Tiere so sehr, dass sie unzählige Geschichten, Serien und Filme leidenschaftlich gerne ihnen widmen. Die Sehnsucht, sich eigens um ein Tier zu kümmern, es zu pflegen und ihm ein gutes Leben zu bereiten zeigt sich in den vielen Haustierarten. Sind all das Entschuldigungen dafür, dass hinter verschlossenen Türen und vor verschlossenen Augen so viel Leid geschieht?

Lediglich solche Menschen, die durch ihre Arbeit mit unwürdigen Tierhaltungsbedingungen in Berührung kommen, haben tagtäglich diese grausamen Bilder in Reality vor sich. In welchem Menschenhaltungssystem leben wir, das solche Arbeiten notwendig zu machen scheint?

robota (tschechisch) – Fronarbeit

arebeit (mittelhochdeutsch) – Mühsal, Plage, Not

Dagobert süß-sauer. Piggeldy und Frikadelle. Peppa Leberwurst, Shaun das Schaffell. Einzelschicksale haben Namen. Sie berühren uns, weil wir für sie Empathie empfinden können. Da wo sich das Mitgefühl multiplizieren müsste, haut es dem dafür eingerichteten Hirnareal in Anbetracht der Masse an leidenden Lebewesen den Schalter raus. Ist das Wegschauen und aktiv aus dem Sichtfeld verbannen der Tatsachen ein Schutzmechanismus? Wenn eine Kuh aus dem Stall abhaut, hat sie sich erst nach Verlassen des Hofgrundstücks einen Namen, unser Mitgefühl und unsere Spenden verdient. Bei der Moorhuhnjagd waren wir ehrlicher.

Jeden Augenblick geht es um unser Miteinander mit anderen Menschen und Tieren, ja auch die sind unsere schützenswerte Umwelt. Biene Maja und ihre Freunde leiden Hunger, denn Nahrung für Insekten gibt es nur in einem unbekannten Land. Nemo bleibt verschollen, weil keiner mehr da ist, der ihn suchen kann. Es geht um unseren eigenen Lebensraum, den wir mit dem tonnenweisen Ausstoß an Doppelmoral gefährden.

Ich wünsche dir eine besinnliche und friedliche WeihnachtsZeit.