Ökonsumpf

Grün, grün, grün sind alle meine Kleider… und alles, was ich hab.

Head&Shoulders wirbt mit 25% Recyclinganteil in der Shampooflasche. Applaus! Hier werden nicht nur Haare, sondern auch ganze Gehirne grüngewaschen. Der informierte Umweltaktivist kauft sowieso nichts von P&G, doch die Ökonsumfallen lauern dort, wo nachhaltige Produkte zum neuen Status erkoren werden.

Und so staune ich über all die tollen ökologischen und fair produzierten Dinge, die das Leben schöner machen. Ich lache über die leeren (!!!) Glasflaschen, die der kreative Müllvermeider und Selbstgemachtes-Verschenker kaufen (!!!) kann. Zahlt er genau das gleiche, erhält er zwei Regale weiter die selbe Glasflasche mit Biosmoothie gefüllt. Blecht er in einem anderen Geschäft 20x so viel, prangen auf der nun 400 ml größeren Flasche hübsche Motive. Merkste selber, ne?

Ich will gar nicht über Eine-Welt-Shops miesepetern, ressourcenschonende Dekoalternativen schlecht reden und schon gar nicht über Unternehmen herziehen, die eine neue, menschenfreundliche Arbeitskultur prägen. Oder mich selber um die schönen Dinge des Lebens bringen…

Zum Beispiel diese abgefahrenen Aufbewahrungsbehälter aus Birkenrinde. Wenn ich die kaufe und hübsch in mein Inventar integriere, kann ich die ollen Plastikkisten ja endlich wegschmeißen! Ja, weg mit dem Plastik, weg mit dem Müll!

Und genau hier liegt der Hund begraben. Mit Feuer kann ich kein Feuer löschen. Wenn ich etwas kaufe, hat das Ressourcen gebraucht. Egal, wie öko, fair, nachhaltig und projektunterstützend, es hat Energie, CO2, Wasser, und Lebensraum gekostet. Lieber lass ich die Birkenbecher noch ein bisschen im Wald stehen und spende das gleiche Geld für eine Organisation, die sich davon ein Stückchen Wald kauft und diesen schützt. So ein Spontankauf ist schnell erledigt, ich hinterfrage, dass du und ich ebenso spontan die gleiche Summe spenden würden.

Denn mit trendigen Ökoaccessoires kann man so schön zeigen, wie Öko man ist! Ob das Schuhe oder Rucksäcke bestimmter Labels sind, oder Glasflaschen… „Ich bin nur cool, wenn ich die selben Markensachen habe wie meine Mitschüler“. Na, das kommt uns doch bekannt vor… sind wir dem nicht längst entwachsen? Die Dazugehörigkeit, die Erkennungsmerkmale, die uns Mitmenschen auf Anhieb sympathisch erscheinen lassen sind käuflich. Hier stapfen wir im Konsumpf! Und so dürfen wir uns wieder selbst hinterfragen.

Brauche ich das wirklich? Besitze ich bereits eine Alternative? Kann ich ein Vorhandenes reparieren? Kann ich es gebraucht kaufen oder tauschen oder ausleihen? Kann ich es selbst herstellen, vielleicht sogar mit anderen Menschen gemeinsam?

Schnödes Warten und der Zufall filtern die Befriedigung, die durch Klicken und Kaufen erlangt wird, ganz einfach heraus und übrig bleiben die Dinge, die du wirklich benötigst. Hier meine Tricks: Ich schreibe die Sachen, die ich meine zu brauchen auf eine Liste. Dann warte ich. Und mit der Zeit hat sich die Hälfte von selbst erledigt! Andere Dinge finde ich nach einer Weile gebraucht. Wenn es mir ernst ist, mit diesem Ding, dann ist es das lange Suchen wert. Oder ein Nachbar will zufällig etwas loswerden, was ich brauche, das ist praktisch. Ein Gedankenspiel: Stelle dir einmal vor, du gehst in ein Geschäft, kaufst ganz viel in Windeseile und stellst daheim fest, dass du eine Sache vergessen hast einzupacken… Ist es diese Sache wert, noch einmal zum Geschäft zurückzukehren um sie abzuholen?

So einfach, so schwer. Shopping macht viel mit uns, mit unserem Belohnungszentrum. Wenn jemand süchtig nach Sneakern oder Handtaschen ist, ist das eine gesellschaftlich mehr als akzeptierte Sucht. So wie Kaffee und Bierchen trinken und Zigarettchen rauchen. Kompen-sum. Einkaufsbummeln ist ein Hobby und eine essentielle Beschäftigung. Ich bin gestern mal so richtig schön bummeln gegangen. Ernsthaft? Was meinst du, was steckt wirklich dahinter, hinter all den Kaufbedürfnissen…