Säen und ernten

Der Frühling will nun endlich unter uns bleiben, ein Zitronenfalter hat es mir verraten! Er und alle anderen Insekten haben Hunger und finden in Betonwüste und monokulturellem Ödland nicht mehr genügend Nahrung. Wir sollten wir ihnen bei der Futterbeschaffung helfen, denn ohne die summenden und flatternden Bestäuber stehen wir ebenso mit leeren Händen da. In Geschäften und zahlreichen Onlineshops gibt es massig insektenfreundliches Saatgut zu kaufen. Ab März wollen die meisten Sorten ins Freiland, auf den Balkon oder ins Blumenbeet. Wichtig ist, dass die Blüten der auserwählten Pflanzen ungefüllt sind. Das heißt, sie müssen über ihre natürlich vorhandene Nektar- und Pollenquelle verfügen. Vielen Pflanzen und Sämereien, die in Gartencentern erhältlich sind, wurde aus optischen Gründen die für die Insekten goldene Mitte weggezüchtet! Ökologisches, samenfestes Saatgut ist die bessere Wahl! Das Ausbringen von Seedballs ist eine simple Möglichkeit brache Flächen zu beblumen. Alte Eierkartons dienen als Anzuchtset für eine Insektenoase. Hier folgen meine Anleitungen:

Seedballs

  • torffreie Blumenerde
  • Tonerde
  • insektenfreundliche Sämereien
  • etwas Wasser

Die Blumenerde bei Bedarf durchsieben, dann werden die Bällchen gleichmäßiger und lassen sich leichter formen. Gebt die Erde in eine große Schüssel und fügt Saatgut eurer Wahl hinzu. Achtet darauf, Sämereien mit den gleichen Anforderungen an Standort und Aussaatzeit zu wählen. Nun kommt noch ein bisschen Tonerde ins Gemisch, die gibt den Seedballs mehr Stabilität. Gut vermengen, die helle Tonerde ist ein guter Indikator! Mit einer Sprühflasche wird die Mischung befeuchtet – zwischendurch immer wieder rühren und einen Probeball rollen! Die Seedballs sind idealerweise walnussgroß. Zu guter letzt dürfen sie an einem dunklen, kühlen und trockenen Ort wieder die Feuchtigkeit verlieren, damit sie lagerfähig und verschenkbar werden! Den Trocknungsprozess spart ihr euch, indem ihr die Seedballs gleich ausbringt.

Eine andere Möglichkeit Seedballs herzustellen erinnert an die Zubereitung von Marillenknödel: Indem zuerst die Bällchen geformt werden und im Nachhinein ein bis drei Samen eingearbeitet werden, spart ihr Saatgut.

Insektenoase

  • Eierkarton
  • torffreie Blumenerde
  • insektenfreundliche Sämereien

Befüllt den Eierkarton zur Hälfte mit Blumenerde, streut Saatgut eurer Wahl hinein und bedeckt dies wiederum leicht mit Erde. Den Karton könnt ihr noch etwas aufhübschen, denn dieses Anzuchtset ist ein prima Geschenk und Mitbringsel. Notiert eine kleine Pflegeanleitung:

Insektenoase! Mäßig gießen, die Keimlinge bald vereinzeln, umtopfen oder auswildern! 

Da Eierkartons kompostierbar sind, können sie theoretisch auch direkt ins Blumenbeet eingebettet werden.

 

Meine Sämereien habe ich beim BUND gekauft, achtet im Gartencenter auf Bioware oder schaut mal im nächsten Bioladen vorbei! Viel Spaß beim Säen und Gärtnern!

All about that waste

Die Menschen verseuchen mit ihrer Supererfindung Plastik ihre eigene Nahrung. Tatsächlich gibt es Kunststoff – der Überbegriff für Polymerverbindungen verschiedenster Art – erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Mit Kautschuk wurden erstmals Gummihandschuhe und Autoreifen hergestellt. Und nun strudelt der Wunderwerkstoff mehrfach unvorstellbar weit weg im Ozean! Richtig problematisch für die Umwelt sind zudem die Additive, die für die bestmöglichen Materialeigenschaften vonnöten sind: Weichmacher, UV-Schutz, Färbemittel, Flammschutzmittel. Wird der Plastikgegenstand nicht mehr gebraucht, landet er zu 79% auf der Deponie oder anderswo auf weiter Flur*. Da nützt es gar nichts, dass zum Beispiel die fortschrittliche Schweiz 90% ihres Plastikmülls energetisch verwertet*. Ab in den Ofen damit – was soll man denn sonst damit machen.

Plastik ist persistent. Das heißt, es braucht über 100 Jahre, bis es verrottet. Und dabei entsteht kein nährender Humus, ich gebe zu bedenken, dass mit verrotten hier nichts anderes als unsichtbar werden gemeint ist. So wie aus Felsen feinster Sand entsteht, so zerfällt Kunststoff in immer kleinere Teilchen, von planktongroß bis mikroskopisch klein. Muscheln vergiften sich selbst durch die hormonell wirksamen Bestandteile. Guten Appetit.

Um dem Dilemma Einhalt zu gebieten veränderten nahezu alle namhaften Kosmetikhersteller ihre Rezepturen. So wurde der aufschreiende Kunde schnell wieder beruhigt! Wovon er nichts weiß: Es gibt flüssiges Mikroplastik. In Malfarben, Lacken, in nahezu allen Duschgelen, Nagellack, Wimperntuschen, Sonnencremes. Acrylate und Nylon zum Beispiel. Na, heute schon geschminkt und geschmiert? Kleidung aus Kunstfasern ist ebenso hochproblematisch: Bei jedem Waschgang, bei jedem Ausschütteln landen kleine Plastikfasern in der Umwelt. Findige Unternehmer bringen Waschsäcke auf den Markt, die die Mikrofasern nicht ins Waschwasser durchlassen. So kann der schuldbewusste Träger von Fleece und Polyester sein heikles Gewölle aufsammeln und richtig entsorgen.

Wir haben es selbst in der Hand, was durch unseren Abfluss fließt. Und was eben nicht in der Tonne landet. Was kannst du tun? Eine kleiner Brainstorm:

Trage Textilien aus Naturfasern. Kaufe lose Waren und nimm genügend Beutel und Behälter mit. Nutze unterwegs einen Kaffeebecher und eine Flasche für Getränke. Es gibt tolle Manufakturen, die waschbare Hygieneartikel herstellen. Alle Wasch- und Putzmittel lassen sich plastikfrei und umweltfreundlich herstellen. Lade dir den Einkaufsratgeber des BUND herunter, hier sind alle Kosmetika mit Plastikrezeptur aufgeführt. Sammle Müll an Bächen, Seen und Stränden.

Gib dir sechs Wochen – so lange braucht der Mensch, um neue Gewohnheiten zu etablieren! Hast du Fragen? Willst du mehr Input? Ich freue mich auf Feedback, auch auf www.facebook.com/sabrinajakob.muenchen