Reasons for Hope – Jane at 85

Sonnwend

Am Abend des 21. Juni 2019 veranstaltete das Jane Goodall Institut Deutschland eine große Feier anlässlich Janes 85. Geburtstag. Eigentlich feierten wir sie und ihren Nicht-Geburtstag, denn ihren „runden“ hatte sie bereits am 03. April.

1300 Plätze des Showpalastes waren belegt und Dirk Steffens, Janes Ehrenbotschafter für Deutschland, eröffnete die Veranstaltung und kündigte Jane Goodall an: Es wurde still im Saal und ich war gespannt, wann und wie Jane denn hinter der Bühne hervorkommt. Und dann kam unscheinbaren Schrittes eine kleine, zarte Frau hinter der regenwaldverzierten Wand hervor und begrüßte ihre Gäste auf Schimpansenart!

Erst wenige Wochen zuvor sah ich den Film „Janes Journey“ und las ihre Autobiografie „Grund zur Hoffnung“. Erst vor einem Jahr befasste ich mich mit der Frage, wer Jane Goodall ist und für was sie so bekannt ist. Wie die meisten Menschen auch kannte ich ihren Namen und die dazugehörigen Bilder: Eine Frau und die Schimpansen, mehr nicht. Wahrscheinlich hat sich Jane Goodall genau jetzt in mein Leben geschlichen, genau jetzt, wo ihr Engagement auch für mich so viel an Bedeutung gewonnen hat. Und genau an diesem Zeitpunkt, an dem ich überhaupt offen bin für ihre Inspiration durch ihre naturverbundene, spirituelle Art.

So war ich entsprechend ergriffen, als Jane den Saal betrat – tatsächlich hatte ich die Chance, sie live zu sehen und zu hören – sie kennen zu lernen. Ohne mir anmaßen zu wollen, sie nun wirklich zu kennen, so wie es Freunde und die Familie tun, maße ich mir an zu wissen, wer sie wirklich ist, denn sie ist der Inbegriff von Wahrhaftigkeit und Authentizität.

In fünf Teilen erzählte Jane aus ihrem Leben. Wie alles begann, ihre Leidenschaft fürs Forschen. Als ihre Mutter sie als anderthalbjährige mit einer handvoll Regenwürmern im Kinderzimmer fand. Und anstatt sie angeekelt, wie man sein könnte, zu schimpfen, bestätigte sie Jane in ihrem Tun: „Du wunderst dich wohl, wie diese Tiere ohne Beine laufen können?“. Als vierjährige verschwand sie spurlos, die besorgte Familie rief die Polizei, als am Abend eine strahlende Jane aus dem Hühnerstall hervorkroch. Endlich habe sie gesehen, aus welchem Loch das Ei aus dem Huhn fällt! Ihre Mutter schalt sie nicht, sonst hätte sie Janes Neugier im Keim erstickt. Und Janes Mutter Vanne war es, die ihre Tochter in ihrem Lebenstraum darin bestärkte, als Forscherin nach Afrika zu gehen und Schimpansen zu beobachten. Ihre Mutter war es, die sie für die ersten drei Monate begleitete. Sie war es, die ihr in etwa sagte: „Wenn du das wirklich erreichen willst, musst du hart dafür arbeiten und dann schaffst du es.“

Dirk Steffens stieß mit Jane Goodall an. Sie trinkt gerne Whiskey, er sei außerdem gut für die Stimme. Einen Geburtstagsgruß erhielt Jane per Aufzeichnung auf der Leinwand. Eckhart von Hirschhausen fand großartige Worte über Janes Lebenswerk und forderte uns alle dazu auf: „Niemand würde in sein Wohnzimmer scheißen, doch wir tun es jeden Tag … Wir haben kein zweites, keinen Planeten B!“ Zwischen Janes Vorträgen traten verschiedene Künstler*innen auf. Die grandiosen Gemälde von Gerd Bannuscher1) zeigen Begegnungen – das Band zwischen Menschen und Schimpansen. Der Künstler gibt eines davon zur Aktion frei, deren Erlös Janes Arbeit zur Gute kommt. Jane liebt Musik, vor allem klassische und war begeistert über Yoyo Christens bzw. Beethovens „Apassionata“. Außerdem begleitete er Ausschnitte aus dem Film „Janes Journey“.

Schön war, dass jede*r Künstler*in auf die Bühne eingeladen wurde und erzählen durfte, was Janes Arbeit für sie bedeutet. Außerdem stellte Dirk Steffens ein großartiges Projekt vor. Pacific Garbage Screening, eine Plattform, die große und winzig kleine Plastikteile aus dem Wasser fischt. Das Projekt von Marcella Hansch befindet sich in der Gründungsphase.

„Jedes einzelne Individuum macht einen Unterschied, jeder einzelne hat jeden Tag einen bestimmten Einfluss auf den Planeten. Und wir treffen Entscheidungen, welche Art von Unterschied wir machen werden… Wir wollen nicht, wir werden!“ Jane Goodall

In ihren weiteren Vorträgen berichtete Jane über ihre Zeit in Gombe, über den Regenwald, die Schimpansen, ihre Arbeit als Forscherin. Und wie es dazu kam, dass sie in den 80ern begann zu reisen. 300 Tage im Jahr, niemals länger als drei Wochen an einem Ort. Sie wollte etwas bewegen und das tut sie nach wie vor, sie setzt sich für den Schutz der Schimpansen ein, für den Erhalt der Natur dort und hier und überall, sie begegnet Menschen und berichtet über ihre Arbeit und über die Wichtigkeit, für unseren Planeten zu sorgen. Wir haben die Zukunft nur geliehen, doch wir stehlen sie. Das Treibhaus, das wir durch CO²- und Methanaustoß verursachen, lässt Pole schmelzen und den Meeresspiegel steigen, es macht Menschen heimatlos. Sie ruft dazu auf, dass wir zum Schutz unseres Planeten direkt die Pflanzen verzehren sollten, statt diese den unzähligen, leidenden Tiere zu geben, um deren Fleisch zu essen. Trotz aller Widrigkeiten in unserem heutigen Leben und derer, die sie persönlich erlebt hat, behält sie einen Schatz, den sie mit uns teilen will:

Gründe zur Hoffnung

Der erste Grund zur Hoffnung ist unser großes Gehirn. Wir als intelligente Spezies, die aus der Vergangenheit lernen kann und die im Stande ist, über die Zukunft nachzudenken, kann mit guten Ideen Gutes bewirken.

Der  zweite Grund zur Hoffnung ist die Regenerationsfähigkeit der Natur. In zerstörte Gebiete kehrt wieder Leben zurück, vielleicht anders als zuvor, trotzdem: Die Natur kommt wieder. Jane meint außerdem unsere eigene Fähigkeit, uns zu rehabilitieren.

Der dritte Grund zur Hoffnung sind die Kinder. Kinder, die die Möglichkeit erhalten, ihre Ideen einzubringen und zu verwirklichen. Kinder gestalten nicht nur die Zukunft, sie sind die Zukunft – in diesem Moment schon – jeden Tag. Jane gründete vor 20 Jahren die Roots&Shoots-Gruppen. Diese bestehen aus Kindern und Jugendlichen, die mithilfe von ein paar Erwachsenen in aller Welt in unterschiedlichen Formen tätig werden: Für die Menschen, für die Natur und für die Tiere. Die Gruppen vernetzen sich global und stehen im Austausch miteinander, manche davon bestehen seit mehreren Jahren. Jeder kann sofort per Onlineformular eine Roots&Shoots-Gruppe gründen. Jane Goodall selbst hat großes Interesse daran, ihre Gruppen und deren Projekte kennen zu lernen.

Eine Münchner Roots&Shoots-Gruppe war Gast auf der Veranstatlungsbühne. Die Würmranger gratulierten Jane zu ihrem Geburtstag und berichteten über ihre Arbeit: Die Würm, ein Bach, der dem Starnberger See entspringt und bei Dachau in die Amper mündet, wurde im 19. Jh. zum Leidwesen der Artenvielfalt begradigt. Die Würmranger, die damals als Schul-AG begannen, renaturierten die Würm an eingen Stellen im Münchner Westen. Die Kinder haben den Bach vor der Haustür und gewinnen den Bezug zur Umwelt und Natur am und im Wasser. Verschiedene Projekte, wie z.B. der lehrreiche Audio-Guide entlang der Würm, eine Geo-Caching Tour oder blühende Insektenwiesen bilden einem Mehrwert für alle Menschen in der Umgebung. Die Kinder erfahren durch unterstützdende Wissenschaftler viel über die Tier- und Pflanzenwelt in ihrer Heimat und wie sie geschützt werden kann.

Inspiration und Mut

Jane überzeugt mich davon, niemals die Hoffnung zu verlieren. Apathie macht depressiv und handlungsunfähig. Mit Hoffnung und Empathie erreichen wir, dass Menschen tätig werden können. Es gibt immer ein „Fenster“ der Möglichkeiten. Ihre geschriebenen Worte aus ihrer Biografie und das, was sie an diesem Abend wertvolles sagt, kann ich tief in mein Herz einschließen und für immer bei mir tragen.

22.06.2019

Jane besucht mit „Mister H“, dem Plüschaffen, die Würmranger vor Ort – an der renaturierten Würm in München-Obermenzing. Es beeindruckt mich, dass sie sich wirklich durch und durch für das interessiert, was sie einst aus dem Boden stampfte. Sie will uns Würmranger kennen lernen!

Wir präsentierten ihr stolz die Würm, die sich hier ausbreitet und Pflanzen und Tieren einen Lebensraum bietet. Wir erzählten ihr von dem Biber, der hier lebt und im Auwaldrest seine Äste aufgetürmt hat. Von den Kindern, die die Würm und ihre Ufer vom Müll befreien. Von den Neophyten, die die heimische Fauna unterdrücken und die wir in Schach halten. Sie hörte sich einen Beitrag des Audio-Guides an, den die Kinder aufgenommen haben – es geht um die Ameisenhaufen an der Würm, und Jane stellt sich gleich für ein paar Fotos an den wuselnden Ort des Geschehens, um bald die Ameisen lachend wieder abzuschütteln. Abschließend erhielten die stolzen Kinder Autogramme auf ihre Würmranger-T-Shirts. Ursula, die Gründerin der Gruppe, sprach ein Gebet an die Natur. Mit einem „Blubb“ verschwand ein Stück Schokolade in der Würm, sie dankte Mutter Erde, den Kindern, Janes Inspiration und bat um Segen für die Würmranger und alles, was kommt. Jane bedankte sich bei uns für unsere Arbeit und verabschiedete sich.

Mein Grund zur Hoffnung

Ich sehe, dass Janes Mutter, so wie sie war, ein großer Segen und eine große Kraft in Janes Leben war. Ich weiß um die Bürde und die große Chance, meinen Kindern ebenfalls so ein guter Wegweiser zu sein. Meine Kinder selbst, sie sind mein Grund, weiterzumachen mit dem, wofür auch mein Herz schlägt: Für den Natur- und Tierschutz, für ein friedvolles Miteinander mit allen Lebewesen auf diesem Planeten, der unser Zuhause ist.

 

1) Das Beitragsbild, die Postkarte des Jane Goodall Instituts, zeigt eines seiner Gemälde

 

 

Bilderbuchbauernhof

Dieses wunderschöne Bauernhaus! Die Holzelemente, die bunten, kunstvollen Verzierungen, der üppig blühende Selbstversorgergarten drum herum – eine Mischung aus rustikal und idyllisch. Der Duft von Heu und Stroh, ein Nuance Gülle und Silage. Aus der Ferne ein Muh.

Dieser Bauernhof kann nichts dafür, dass mir der postkartenmotivmäßige Stil so, so negativ aufstößt. Sämtliche Kinderbilderbücher, Gesellschaftsspiele, Puzzle und Medien bringen unseren Kleinen dieses Ideal näher. Lange, bevor wir ihnen bewusst zeigen wollen, wo unsere Lebensmittel herkommen, sabbern Babys Bauernhofbüchlein voll. Die Bücherläden sind voll davon. Kälbchen tollen auf der Wiese, der Hahn kräht stolz auf dem Misthaufen. Letzteres entspricht noch am ehesten der Wahrheit, doch dieser Hahn erfüllt gewiss nur den Zweck, den Schein des paradiesischen Landlebens für den Touristen aufrecht zu erhalten. Nie zu sehen ist die harte Arbeit, die Bauernfamilien wirklich hatten, bevor Schweinehochhäuser und Massenmastanlagen alltäglich wurden.

Der heutige Bauernhof hat mit unserer Vorstellung nichts zu tun. Niemand würde es wagen, ein modernes Bauernhofbilderbuch zu illustrieren!

Damals, da entsprach die Farmlandschaft noch eher der liebreizend lebendigen Fantasiewelt. Vor den Kulissen. Wenn wir unserern Kindern die Welt erklären, beschönigen wir sie. Lassen wir die ungemütlichen, aufwühlenden Teile der Nutztierhaltung beiseite, um uns unsere eigene Sicht zu verklären? Es ist unerträglich, dass Milchkühe geschlachtet werden müssen, weil ihnen aufgrund der Dürre 2018 leider nicht genug Gras gewachsen ist! Und weil die Futterbeschaffung von anderswo den Bauern ins Minus treibt – warum? Warum bleibt der Milchpreis so niedrig, obwohl die Ware knapp ist?

„Leider haben wir starke Lieferschwierigkeiten bei … Produkten wie Butter … Einige [Bauern] schlachten schon ihre Kühe, weil das Futter nicht über den Winter reichen wird … Wir bitten um Verständis!“ Quelle: www.molkerei-schrozberg.de/presse/lieferengpass-bei-butter

Milchtrinken ist vor allem aus diesem aktuellen Grund untrennbar mit dem Tod verbunden. Das alljährliche Leid der Kälber, Fohlen und Zicklein und ihrer Mütter, die voneinander getrennt werden, ist schon viel zu normal. Das haben wir ja schon immer so gemacht. Dass eine Kuh tagelang nach ihrem Kind ruft, nachdem es ihr weggenommen wurde, um im fernen Ausland als zartes Gulasch zu enden. Das machen wir immer noch gerne so.

Solange es Schlachthöfe gibt, wird es Schlachtfelder geben.

Leo Tolstoi

Nachdem Bioeier von Zweinutzungshühnern die derzeit tierfreundlichste Alternative aus dem Super(bio)markt sind, frage ich mich trotzdem: Ist es notwendig, also wendet es eine Not ab, wenn ich für meine Küche Eier verwende? Es fallen nicht mehr täglich Eier aus dem Huhn, welches älter als ein Jahr ist. Diese Hühner müssen alle weg, die rechnen sich nicht. Suppenhuhn. Das haben wir immer schon so gemacht. Hühner werden locker sechs Jahre alt, Kühe zwanzig, doch auch sie erleben nur ihr erstes Fünftel. Ist es gut, dass sie ihren alljährlichen Schmerz nur diese paar Male ertragen müssen? Macht es das besser, dass sie damit nicht alleine sind? Haben sie es gut, wenn sie ein bisschen auf die Weide dürfen? Auch wenn sie die restlichen sieben Monate des Jahres im Stall absitzen?

Es ist diese Not, die abgewendet werden muss. Während wir im Überfluss schwimmen, können wir unsere Würde bewahren, in dem wir friedliche Alternativen finden. Es ist genug für alle da.

Fuck Tradition!

Garantiert

Schokolade + Banane = Love Forever

Welcher Süßschnabel steht nicht auf diese geniale Geschmackskombination? Wir dekorieren unser Leben gerne mit etwas Puderzucker und beamen uns, mit einem Chai-Latte in der Hand, in den Vanillehimmel. Wie der Morgenkaffee reisen diese Lebensmittel genauso weit, wie sie selbstverständlich tagtäglich in unseren Mägen landen.

Ich versuche mir vorzustellen, wie ein Mensch im Ursprungsland Staude für Staude und Bohne für Bohne mit der Hand pflückt, die Ernte dann im Bauch eines unglaublich großen Schiffes unglaublich weit transportiert wird, hierzulande von LKW zu LKW umgeladen wird, um dann endlich in unserem Einkaufskorb zu landen. Den wir womöglich auch nur mit Ressourceneinsatz nach Hause befördern können.

Ein Schokobrunnen ist für mich der Inbegriff von Wohlstand!

Bananen setzen in Supermärkten Leitpreise fest wie Äpfel und Kartoffeln. Leitpreise sind uns Kunden geläufige Preise, an denen wir die günstigste Einkaufsstätte festmachen. Kakaoprodukte nehmen wir in allen Formen zu uns. Als Pulver, als Aufstrich, als Frühstückscerealien, als Süßigkeit… Ich erschrecke vor meiner eigenen Gewohnheit, mit der ich regelmäßig tropische Speisen genieße. Zu meinen Lieblingsgewürzen zählen Vanille und Zimt, aufgrund deren Fehlen mir mein Muffinteig aus regionalen Zutaten sehr unfertig vorkam. Vielleicht gibt ihm Zitronenabrieb das gewisse Etwas? Ähm ja… wenn ich zufällig einen Wintergarten hätte, in dem zufällig ein Zitronenbaum stünde. Bei dem Gedanken daran, mich nur regional zu ernähren, überfliegt mich eine leichte Panik. Ich würde mich geißeln, wie wäre es bei dir? Nun übe ich mich erstmal in Wertschätzung und Dankbarkeit. Nichts ist selbstverständlich.

Alles, was wir haben wollen, kommt uns zugeflogen. Welche Sklaven lassen wir für uns arbeiten?

Bananen

Wir verzehren hauptsächlich nur eine von über tausend bunten Bananensorten, und zwar die gelbe „Cavendish“. Durch den Anbau in Monokultur, gerne mit gesundheitsschädlichen Chemikalien, ist sie von der Ausbreitung mehrerer Pilzarten bedroht. Gentechnik soll die Stauden resistent machen. Im Bioanbau reifen Bananen in kreislauferhaltender Mischkultur heran. Fair gehandelte Früchte schließen Kinderarbeit aus.

Kaffee

Auch Kaffeebohnen werden würdigerweise ausschließlich von Erwachsenen gepflückt. Die sorgfältige Ernte der reifen Kirschen per Hand erspart den Böden die Verdichtung durch Erntemaschinen, die zudem die Sträucher beschädigen. Mischkultur sorgt für humusreiche Böden und mehr Artenvielfalt. Im „Direct Trade“ gehandelt bleiben Lieferketten nachvollziehbar. Mittlerweile arbeiten viele deutsche Röstereien direkt mit den Kaffeebauern zusammen und verarbeiten die Bohnen schonend, so dass der Kaffee mehr als magenverträglich wird.

Kakao

Für die Produktion von einem Kilogramm Rohkakao werden durchschnittlich Siebenundzwanzigtausend Liter virtuelles Wasser verbraucht. Auch hier senkt die Mischkultur, wie sie im Bioanbau praktiziert wird, den Verbrauch von Ressourcen. Die Kakaobäume stehen hier in einem intakteren Ökosystem und in schattenspendender, vor Wind schützender Nachbarschaft.

Don’t take it for granted

Wie wohl die Supermarktregale aussehen würden, wenn es nur noch Regionales zu kaufen gäbe? Wie würden sich unsere Kochrezepte verändern? Es ist für mich keine Lösung, gänzlich auf überregionale Speisen zu verzichten. Wenn ich ethisch würdevoll und umweltverträglich leben will, soll mich der nächste Coffee to Stay noch einmal mehr dazu einladen mich glücklich zu schätzen. Wir leben in einer Welt, in der nachhaltiges Handeln grundsätzlich möglich ist. Solange ich es mir zum Grundsatz mache.

Für regionale Inspirationen aller Art folge mir auf Facebook und Instagram!

 

 

Alle guten Gegensätze

Die Spatzen verzwitschern die letzten Januartage und ich überprüfe gerade, ob von meinen guten Gegensätzen noch etwas übrig ist. Im Beitrag Langeweile statt Feed habe ich dir bereits einen guten Gegensatz vorgestellt. Er handelt davon, Langeweile zuzulassen, um aus neuer, eigener Energie heraus tatkräftig zu werden und zu bleiben. Nachfolgend will ich dir meine anderen guten Gegensätze präsentieren und beschreibe, was ich mit ihnen verbinde.

Das Ergebnis von Sein statt Haben ist ähnlich wie das von Langeweile statt Feed. Wenn all meine Facetten zum Ausdruck kommen, muss ich keine Löcher mehr stopfen, keine Leere füllen. Die Krux: Unser Leben bietet mehrheitlich nicht essentielle Konsummöglichkeiten. Bei jedem „ohhh, das will ich haben!“ hat es mir persönlich geholfen, mir meinen materiellen Wunsch anzuerkennen. Nur das. Nachdem ich mich von mir selbst gehört fühle, finde ich schnell heraus, welches Loch ich mit dem Haben stopfen wollte. Oft verbinden wir mit einem Produkt auch den Ausdruck nach Zugehörigkeit, wir wollen uns nach außen hin mit einer bestimmten Gruppe Menschen identifizieren. Neben dem Gefühl von Zugehörigkeit und Status, welche Kaufgründe gibt es bei dir?

Tätigkeit statt Arbeit. Wenn du du sein kannst.

Everybody is working their fucking ass off during the week,
Getting totally fucking stressed out
So what’s wrong, and what’s right?
I live for the weekend … Showtek – FTS

Menschen kaufen teure Autos, um damit auf dem Weg zur Arbeit im Stau zu stehen. Vielleicht sitzt eine von fünf möglichen Personen in diesem Wagen, vielleicht steht dieser Wagen die restlichen 23 Stunden des Tages ungenutzt herum. Und sorgt dafür, dass sein Eigentümer (der womöglich wie die anderen 85% unzufrieden mit seiner Arbeit ist), sich zu mehr davon verpflichtet. Wir sind gut darin, die Gitterstäbe unseres goldenen Käfigs auf Hochglanz zu polieren. Doch was will ich wirklich tun? Und wie komme ich dahin?

Sinn… ohne Stumpf. Gehe einer Tätigkeit nach, die dein Herz erfüllt. Dann musst du nie mehr arbeiten!

Wish we could turn back time to the good old days
When our momma sang us to sleep but now we’re stressed out

Twenty One Pilots – Stressed Out

Innerer Antrieb statt Lähmung.

Reichtum statt Geld. Welches sind wirkliche Reichtümer? Wir sind reich im Hinblick auf die Unmengen an Essen, die im Müll landen. Wir sind reich, weil wir uns über die unpünktliche Bahn beschweren. Wir sind reich, wenn unsere essentiellen Grundbedürfnisse gesichert sind.  Diese sind laut Marshall B. Rosenberg Autonomie, Feiern, Integrität, Interdependenz, Nähren der physischen Existenz,  Spiel und spirituelle Verbundenheit. Ich finde, wir sind vor allem reich, solange wir die Wahl haben!

Wahlfreiheit statt Müssen.

Anerkennung statt Betäubung bedeutet, dir selbst all deine Empfindungen und Befürfnisse anzuerkennen. Sie sind berechtigt und richtig. Alles vermeintlich falsche gehört zu deiner Geschichte. Nachdem du die Verdrängungskiste geöffnet hast, ist es möglich, deine Bedürfnisse zu formulieren.

Initiative statt Applenkung.

Fülle statt Völle. Gestehe dir nun die Erfüllung deiner Bedürfnisse zu 🙂

Schwarz und Weiß. Jeder Weg ist so einzigartig, wie der Mensch, der ihn geht. Was für andere nicht funktioniert, kann heute für dich perfekt sein. Vielleicht auch nächstes Jahr noch, wer weiß das schon, denn das beständigste im Leben ist die Veränderung! Wir dürfen jeden Tag aufs neue prüfen, wer wir sind und wo wir hin wollen, wie wunderbar.

 

 

 

 

 

Mind your words

Mit unserem gängigen Gebrauch von Sprache stehen wir uns oft selbst im Weg. Hier gebe ich dir ein paar Beispiele, welchen Worten du durch eine veränderte Satzformulierung die Wirkung entziehst. Das ermöglicht dir und deinem Gesprächspartner, deinem Herz und deinem Verstand, neue Wege einzuschlagen. Zugegeben – anfangs holpert es noch ein bisschen! Mit der Zeit verfestigt sich deine neue Art zu denken, die neue Perspektiven entstehen lässt.

Aber

Es ist der Ausdruck eines schlechten Gewissens, wenn aber durch leider ersetzt wird.

Kleine Kinderhände nähen schöne Schuhe –

meine neuen Sneakers sind leider geil

Deichkind – Leider Geil

„Die Jeans ist schön, aber sie macht dir einen platten Hintern“.

„Aber dann lass es doch einfach!“

„Ich weiß nicht, wie ich dir das sagen soll, aber …“

Unser Gesprächsteilnehmer ist gekränkt und wird ohne Lösung stehen gelassen. Im Zwiegespräch mit uns selbst wird das besonders deutlich. Ein aber macht dich kleiner, als du bist. Mit den Formulierungen und trotzdem, und gleichzeitig umschiffst du so manches aber sicher (höhö). Es lässt sich kaum eins zu eins ersetzen und du wirst ganze Sätze umstrukturieren müssen. Schenke dir Zeit zum Nachdenken und Antworten.

Die oben genannten Beispiele würde ich wie folgt ändern:

„An dieser Jeans sind die Taschen unvorteilhaft angeordnet. Ich bringe dir ein anderes Modell in die Kabine.“

„Oh, das hört sich an, als würde dir das nicht gut tun.“ 

„Das will ich dir bald sagen und bitte dich um Bedenkzeit.“

Nicht – kein – nein! Negativaussagen

Manche Worte machen dich zum machtlosen Hasenfuß

Es lohnt sich, nicht an den rosa Elefanten zu denken. Besonders im Umgang mit Kleinkindern und in Ausnahmesituationen, in der unser Körper auf die Funktion unseres Stammhirns zurückgreift, entzieht sich ein nicht unserer Wahrnehmung. Auch selbsterfüllende Prophezeiungen spielen hier eine große Rolle, die in negativer Form zerstörerisch wirken. Eine positiv formulierte Affirmationen ist die Vorstufe einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

„Das kann ich nicht!“

„Nicht im Treppenhaus spielen!“

Menschen sagen gerne ja und sie hören gerne ein ja. Schließe die Augen und lasse einen anderen Menschen in verschiedenen Tonlagen nein zu dir sagen. Spüre in dich hinein, welche Reaktionen die neins in dir auslösen, körperlich wie emotional. Nun gönne dir abschließend noch einige wohlklingende jas. Das tut gut, oder?

Hier nun meine Positivbeispiele zu den obigen Aussagen:

„Ich lerne gerade … “

„Bitte seid im Treppenhaus leise.“

„Ich kann die Welt ändern, in dem ich sie jeden Tag ein bisschen besser mache!“

Diese Sätze läuten schon die nächste Handlung ein, der erste Schritt ist schon getan. Wenn das nein verschwindet, holen wir uns gegenseitig und uns selbst aus Ablehnung, Starre und Passivität heraus. Es eröffnen sich neue Welten, wenn ich meine Aufmerksamkeit auf das richte, was plötzlich sichtbar wird. Manchmal jedoch bleibt ein nein notwendig. Zum Not abwenden.

Müssen

„Einen Scheißdreck muss ich!“ Ja, und das ist zusammen mit dem Sterben auch schon alles. Ein müssen bedingt oft die nächste Handlung und kann recht einfach umformuliert werden. Und alles andere ist immer hinterfragungswürdig, versprochen.

Gegen welche müssen, aber, keine – Wände rennst du im Alltag? Mit der Zeit werden dir immer mehr bewusst und nun bröckeln die Fassaden. Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren!

 

 

 

 

 

 

Alle guten Gegensätze – meine digitale Auszeit

Langeweile statt Feed

Es ist aufgeräumt. Ich habe gerade kein Buch zum Lesen, nichts zu tun. Alle Bildschirme, alle Displays sind ausgeschaltet. Ich ärgere mich, es könnten wichtige Mails im Postfach sein, die ich zeitnah beantworten will. Ich würde auch gerne auf Facebook meinem Bedürfnis nach Geselligkeit frönen und in digitaler Gemeinsamkeit baden. Ich würde gerne auf Youtube dabei zusehen, wie jemand seine goldigen Haustiere für mich bespaßt, bitte mehr davon – etwas noch goldigeres und noch lustigeres (heute noch nicht gelacht…)! Doch Youtube vermag micht nicht satt zu bekommen, obwohl ich mich stundenlang durch alle Vorschläge klicke…

Nun gehe ich offline getrieben in der Wohnung auf und ab, bis ich merke, dass ich getrieben auf und ab gehe. Setze mich hin. Lege die Füße hoch und starre an die Wand, um enttäuscht festzustellen, dass ich keine Raufasertapete habe, deren Knubbel ich zählen könnte. Es ist unbequem. Es ist langweilig! Ich fuchtele an meinem Kapuzenbändel und drehe meine Haare ein, während es ruhiger wird in meinem Kopf. Mein Blick wandert durch die Wohnung und bleibt mal hier, mal dort kleben, obwohl ich eigentlich nichts bewusst anschaue. Meine Innenwelt wird langsam wach, sie streckt und räkelt sich und öffnet noch etwas lichtscheu ihre Augen. Gedankenfäden spinnen, bunte. Rote! Manchmal wird ein Knäuel daraus. Ich kann es weiterverarbeiten oder mit seiner Hilfe den Weg nach Hause finden, sollte ich einen Irrweg gegangen sein.

„Statt ständig die Welt weiter nach unseren Vorstellungen verändern zu wollen, bleibt uns heute nichts anderes übrig, als unsere bisherigen Vorstellungen von uns selbst zu verändern.“ Gerald Hüther – „Würde“

Langweile. Der Zustand, in dem alles brach liegt. In dem wir auf allen Ebenen auftanken. Während dem wir uns selbst staunend zuschauen dürfen, was neues aus uns erwacht.

Und wenn das Symposium deiner Geistesblitze sich als Neuronenfeuerwerk entlädt, ist das Gehirnsilvester. Dein Betriebssystem durchläuft ein Update und löscht alte Programme von der Festplatte. Ich wünsche dir viel Spaß beim Erkunden deiner neuen Funktionen – wenn du nicht weiter weißt, klicke dich durchs Hilfe-Forum!

„Eine Möglichkeit, um die Beschränktheit der eigenen Vorstellungen zu überwinden, bietet das Scheitern … oder die Begegnung mit anderen Menschen.“ Gerald Hüther -„Würde“

 

 

Wirtschaftliche Güter

Die Grenzen zwischen wahrer Tierliebe und dem Tier als Ware verschmelzen auf verschiedenen Ebenen. Dies ist ein Appell, unsere tierischen Mitbewohner aus dem Tierheim zu adoptieren statt sie – egal wo – zu kaufen.

Ware

  • etwas, was gehandelt, verkauft oder getauscht wird; Handelsgut
  • Erzeugnis [von einer bestimmten Beschaffenheit, mit bestimmten Eigenschaften]                                                                                            www.duden.de                     

Die Wurstware Tier ist eine bestimmte Summe wert. Damit sich die für Transportunternehmen, Schlachthäuser und Metzgertheken tätigen Menschen ihre Brötchen kaufen können. Ein Mensch, der eine Tierart vermehrt, steckt neben Geld auch andere Dinge in die weiblichen Tiere, um den perfekten Nachwuchs zu generieren. Mit falscher Liebe lässt sich gutes Geld verdienen, das ist auch in anderen Branchen kein Geheimnis.

Das gewinnerzielende Vermehren von Tieren degradiert diese zur Ware. Und immer wieder finden fellige, schuppige, glatte, nackte oder borstige Wesen mit Kulleraugen über den menschlichen Geldbeutel den Weg in deren Zuhause. Als Fleischbällchen in den Mund gestopft stillen sie Hunger, als Flauschbällchen auf dem Schoß Löcher in unseren Herzen. Als Kind reichte uns noch ein Kuscheltier als Ersatz für Geborgenheit durch unsere Bezugspersonen. Schon bald wird der Wunsch nach mehr Echtheit groß. Verwechseln wir die Sehnsucht nach echten Gefühlen mit der Echtheit des Tieres, das wir lieb haben?

So wie auf Farbe, Form und Funktion gezüchtete Tiere müssen Menschen, die etwas von sich verkaufen wollen, ebenfalls gewisse Normen erfüllen. Wir polieren unser Äußeres auf Hochglanz und feilen an unserem Können um unseren Marktwert zu steigern. Unsere eigentlichen Werte verkaufen wir leider mit… Wenn ich das wortwörtlich verstehe, sind wir erst dann wertlos!

Jedoch wurden wir im Gegensatz zu den Tieren hoffentlich nicht aus finanziellen Gründen geboren und wir sind auch ohne Leistung und Perfektion wertvoll – das hören wir gerne – doch wer glaubt es wirklich von sich? Erst, wenn wir den Tieren ihren Wert zugestehen, den sie durch ihre bloße Existenz innehaben, wohl erst dann können wir aufhören, sie wie Dinge zu be-handeln.

 

 

Wir haben euch doch lieb!

Die Ratte Rémy wird nach kulinarischen Experimenten per Kammerjäger der Küche verwiesen. Minnie und Mickey sitzen in der Mausefalle – mit Tilda Apfelkern und weiteren Apfelmäuschen. Sepp Arnemanns Maus hat sich wieder gut versteckt. Haben Sie sie schon gefunden? Und was machst du jetzt mit ihr?

Menschen lieben Mäuse auf Bildern und Bildschirmen. Menschen lieben Tiere so sehr, dass sie unzählige Geschichten, Serien und Filme leidenschaftlich gerne ihnen widmen. Die Sehnsucht, sich eigens um ein Tier zu kümmern, es zu pflegen und ihm ein gutes Leben zu bereiten zeigt sich in den vielen Haustierarten. Sind all das Entschuldigungen dafür, dass hinter verschlossenen Türen und vor verschlossenen Augen so viel Leid geschieht?

Lediglich solche Menschen, die durch ihre Arbeit mit unwürdigen Tierhaltungsbedingungen in Berührung kommen, haben tagtäglich diese grausamen Bilder in Reality vor sich. In welchem Menschenhaltungssystem leben wir, das solche Arbeiten notwendig zu machen scheint?

robota (tschechisch) – Fronarbeit

arebeit (mittelhochdeutsch) – Mühsal, Plage, Not

Dagobert süß-sauer. Piggeldy und Frikadelle. Peppa Leberwurst, Shaun das Schaffell. Einzelschicksale haben Namen. Sie berühren uns, weil wir für sie Empathie empfinden können. Da wo sich das Mitgefühl multiplizieren müsste, haut es dem dafür eingerichteten Hirnareal in Anbetracht der Masse an leidenden Lebewesen den Schalter raus. Ist das Wegschauen und aktiv aus dem Sichtfeld verbannen der Tatsachen ein Schutzmechanismus? Wenn eine Kuh aus dem Stall abhaut, hat sie sich erst nach Verlassen des Hofgrundstücks einen Namen, unser Mitgefühl und unsere Spenden verdient. Bei der Moorhuhnjagd waren wir ehrlicher.

Jeden Augenblick geht es um unser Miteinander mit anderen Menschen und Tieren, ja auch die sind unsere schützenswerte Umwelt. Biene Maja und ihre Freunde leiden Hunger, denn Nahrung für Insekten gibt es nur in einem unbekannten Land. Nemo bleibt verschollen, weil keiner mehr da ist, der ihn suchen kann. Es geht um unseren eigenen Lebensraum, den wir mit dem tonnenweisen Ausstoß an Doppelmoral gefährden.

Ich wünsche dir eine besinnliche und friedliche WeihnachtsZeit.

 

 

 

Die Kellerliste

Im Beitrag Minimalismus habe ich zu jedem Wohnraum einige Inspirationen aufgezeigt. Außen vor gelassen wurde dabei der Keller… Steht der jetzt etwa voller Zeug?

Dass einer von uns während eines Ausmistwahns den Keller vollstellt statt sich wirklich von Dingen zu trennen, wird auch jetzt noch vom jeweils anderen befürchtet. Ich gerate da immer besonders in den Fokus, da ich zeitweise tatstächlich erst einmal vieles im Keller deponiere.

Auf den gefüllten Kartons steht jedoch die Aufschrift „Flohmarkt“ beziehungsweise „zu verschenken“. Im Frühjahrs- und Herbstbeginn finden nämlich unzählige Flohmärkte statt, auf denen ich dann unsere Sachen weiterverkaufe.

Praktisch ist auch eine „zu verschenken“-Kiste, die bei gutem Wetter auf unserem Mülltonnenhäuschen eine gute Figur macht und sich nach und nach leert. Viele Charity-Geschäfte nehmen Gebrauchtes an, auch digitale Medien und Bücher kann mensch dort abgeben. In einigen Stadtteilen habe ich öffentliche Bücherschränke entdeckt, in die ich Gelesenes hineinstellenen und Gewünschtes herausnehmen kann. Mein Lieblingsbioladen hat ebenfalls ein großes Tausch-Bücherregal und in der Nachbarschaft hat ein findiger Bewohner eine hübsche, kleine Tauschbibliothek aufgestellt. Damit lädt er jeden Passant zum Schmökern ein!

Zurück in meinen vollen Keller, der sich im Frühjahr wieder leeren wird. Wenn ich mich umschaue, hängen da zwei nigelnagelneue Schlitten von der Decke und jede Menge Werkzeug liegt im Regal vor mir brach, eine Babyschale wartet auf Nachwuchs.

Ehrlich wahr, wir besitzen für jeden Zweck das passende Utensil und wann brauchen wir das? Alle paar Jahre einmal für ein paar Stunden? Genauso ergeht es den Schlitten, dem Schlafsack, dem Zelt… Nun stelle ich mir vor, wie jeder Nachbar in unserer Straße in seinem Kellerabteil ähnliche Dinge besitzt, die er effektiv kaum in die Hand nimmt. Was für eine enorme Ressourcenverschwendung!

Ich erstelle nun eine Liste, auf der ich alle verleihbaren Dinge aufführe. Vielleicht schreibe ich auch das bekannte Ei darauf, wegen dem man doch mal eben drüben klingeln kann – und es dann doch nicht tut. Diese Liste verteile ich an jeden Nachbarn und ich versichere mich: Ich muss nicht jedes Klump mein Eigentum nennen.

Ferngesteuert

Über übermächtige Alltagsdrogen

Noch viel spannender als die gesundheitlichen Auswirkungen von Alltagsdrogen sehe ich die Wirkung auf unseren Geist, ja sogar auf unser Miteinander. Warum? Ich freue mich drauf, jetzt weit auszuholen:

Im Selbstversuch nahm ich ungefähr vier Monate keinen Zucker zu mir. Zero. Keinen Agavendicksaft, keinen Honig, keine Malzextrakte, keine Süßstoffe oder Austauscher, also keinerlei süße Isolate, nix.

Zu Beginn fühlte ich mich unwohl: Ich hatte Angst davor, aggressiv und unerträglich zu sein. Kein Kuchen! Keine Schokolade! Mit Nüssen und Obst hielt ich mich bei Unterzucker über Wasser. Nach wenigen Wochen hatte ich meinen Körper entwöhnt, der Blutzuckerspiegel kam wieder klar. Mein Gehirn hinkte manchmal hinterher. Wenn der Hunger auf Kuchen oder Süßkram besonders stark wurde, lernte ich zu verstehen: „Aha, ich bin eigentlich nur müde! Ich will aber nicht schlafen! Ich habe noch so viel zu tun!“ Und so kam ich mit mir selber ins Gespräch und machte Mittagsschlaf, wenn es nötig war. Oder knallte mir terminlich einzelne Tage weniger zu. Ich wurde langsamer! Meinen Kuchengelüsten lag Stress zu Grunde oder einfach nur das viele Denken. Ich stellte so oft fest, dass ich mit Zucker bislang kompensierte und kompensierte.

Ich bin mir sicher, in einer Welt ohne Zucker würde eine Siesta zum gängigen Tagesablauf dazu gehören. Unsere Welt soll sich immer schneller drehen. Damit wir mitlaufen können, begießen wir immer mehr unersättliche Adenosinrezeptoren mit Koffein, beschönigen, beschleunigen, verdrängen, verändern uns mit Alkohol, beruhigen und erheitern uns mit Rauchen. Dabei wäre das Ein- und Ausatmen ohne den Qualm gesünder und hätte keinen Sucht- sondern den Wohlfühleffekt in Reinform – eine Einladung oder besser gesagt Ausladung an alle Nichtraucher genauso rauszugehen wie die Raucher!

Zum Thema Rauchen sei erwähnt, dass es kaum fairen geschweige denn ökologisch angebauten Tabak gibt. Mit dem mentalen und physischen Gesundheitsaspekt spielt hier die Umweltverschmutzung durch Qualm und weggeworfene Stummel ebenso eine Rolle. Beim Alkohol können wir immerhin auf regionale Bioware zurückgreifen und die Dosis auf ein verträgliches Maß anpassen.

Was mittlerweile bezüglich der Alltagsdrogen auf der Hand liegt, vor allem den allgegenwärtigen Zucker betreffend, ist erschreckend. Konsumieren geht Hand in Hand mit kompensieren und funktionieren.

Zucker, Kaffee, Kakao und Tabak reisen nicht nur mit großem CO²-Fußabdruck in unser hausgemachtes Hamsterrad: Die Zuckerwirtschaft ist kaputtsubventioniert, konventionelle Kakao- und Kaffeebohnen werden von Kindern gepflückt und lächerlich „bezahlt“. Die gängigen Siegel sind leere Versprechen, an die wir Süchtigen glauben wie einst an den Weihnachtsmann. Ich unterstelle den Süßkramkonzernen das Schlechte, weil sie nicht das Gegenteil beweisen können – nein – ständig werden skandalöse Zustände aufgedeckt, die jährlich von Schokonikolaus- und Osterhasenarmeen niedergetrampelt werden.

Ein Qualitätssiegelstudium dauert sicher kein ganzes Semester und bewahrt Menschen vor Ausbeutung und basht habgierige Lohndrücker. Ein Geheimnis verrate ich vorab: Ein Fair Trade-Siegel steht nicht unbedingt dafür, dass das Produkt zu 100% menschenwürdig gehandelte Bestandteile enthält.

Und ja, nach den vier Monaten wurde es mir zu mühselig, auf den Zucker zu verzichten, denn süße Isolate sind so überall wie die Mücken abends am See. In arbeitsreichen Phasen hielt ich wieder meine Kaffeetasse – oder sie mich – und das Koffein hob mich auf geistige Höhen. Wenn ich müde bin, bin ich ohne Kaffee verdammt langsam und das kann wiederum für alle Beteiligten verdammt anstrengend sein. Nun kenne ich beide Extreme und pendele mich in meiner Mitte ein, die ich für mich und andere verantworten kann und will: Ich bin lieber langsamer!

Warum könntest du nie auf Kaffee oder Zucker verzichten? Wer bist du ohne Alltagsdrogen? Was passiert, wenn sich niemand mehr sozial- und arbeitgeberkompatibel dopt?